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››Trashig, düster, laut & hässlich‹‹ (Untertitel: ››Böse Stories und ein musikalischer Bonustrack‹‹)

Leseprobe & weitere Auszüge zu ››Trashig, düster, laut & hässlich‹‹ (Untertitel: ››Böse Stories und ein musikalischer Bonustrack‹‹) (E-Book) von Linus Lumpitzsch

Leseprobe & weitere Auszüge zu ››Trashig, düster, laut & hässlich‹‹ (Untertitel: ››Böse Stories und ein musikalischer Bonustrack‹‹) (E-Book) von Linus Lumpitzsch

››Trashig, düster, laut & hässlich‹‹
(Untertitel: ››Böse Stories und ein musikalischer Bonustrack‹‹)
(E-Book) von Linus Lumpitzsch
www.hitchten.de/trashigduesterlautundhaesslich/

Das E-Book ››Trashig, düster, laut & hässlich‹‹ wurde letztmals aktualisiert am 9.7.2015 im Kindle Store von Amazon veröffentlicht und kann für 2,99 € gekauft werden. ›› E-Book ››Trashig, düster, laut & hässlich: Böse Stories und ein musikalischer Bonustrack‹‹ bei Amazon kaufen (mit Leseprobe).

 ››Trashig, düster, laut & hässlich‹‹ enthält:
››Dunkel‹‹, ››Flucht‹‹, ››Liebst Du?‹‹ (als Single-E-Book bei Amazon), ››Rache‹‹, ››Stuff‹‹ (gratis bei Amazon), ››Last Days‹‹, ››Ein Jahr‹‹, ››Eine seltsame Unterhaltung‹‹, ››Stille‹‹, ››Die kalte Nacht‹‹, ››Eine kleine und kurze Reise durch einen Ausschnitt der Musikwelt eines Musikliebhabers‹‹, Preview zu einem Thriller mit dem Titel ››Frei‹‹ .

Artikel-Seite von  ››Trashig, düster, laut & hässlich‹‹
(Untertitel: ››Böse Stories und ein musikalischer Bonustrack‹‹)
(E-Book) von Linus Lumpitzsch bei Amazon:
http://www.amazon.de/gp/product/B008I3NHII/ref=as_li_tl?ie=UTF8&camp=2514&creative=9386&creativeASIN=B008I3NHII&link_code=as3&tag=linuslaessig-21&linkId=SWBDCHFFRRYPXCJW

Willkommen in der Dunkelheit…

All das kann man in ››Trashig, düster, laut & hässlich‹‹ in der am 9. Juli 2015 letztmalig aktualisierten Fassung erleben (und noch mehr):

Erlebe, wie Jim vom einen auf den anderen Tag aus seinem langweiligen Leben mitten in ein blutiges Schlamassel geschmissen wird. (››Dunkel‹‹)
Fahr‘ mit im Fluchtauto, in dem eine sympathische Gaunerbande auf dem Weg in ein Versteck ist. (››Flucht‹‹)
Sei dabei, wie Harold, nachdem er eine ausgesprochen komische Zeitungsanzeige liest, zunächst von einer in seinem Kopf herumdonnernden Stimme geplagt und von irgendetwas fremdgeführt wird, und dann bedauerlicherweise die Bekanntschaft mit Thaddäus Bartholomäus Fitzgerald macht. Für Harold ist dies der Beginn des reinsten Horrors. (››Liebst Du?‹‹)
Begleite den absolut irren Áris Sorbotas auf seinen blutigen Wegen des Gemetzels.
Nimm Teil am Schrecken einer plötzlichen Stille und Einsamkeit eines Erwachten, der alleine auf der Welt zu sein scheint. (››Stille‹‹)
Lies, wie in einer nahen Zukunft die Seuche ›NREE257‹ das Ende der Welt bringt (››Last Days‹‹)

Besuche ein grauenerregendes Haus, vor dem sich Tratzuc seiner Vergangenheit stellen muss, als ein Toter aufkreuzt. (››Rache‹‹)
Bange mit mehreren Jugendlichen, die in einer stürmischen, verregneten Nacht in einem Jugendzentrum die Bekanntschaft mit einem Mann machen, der definitiv einige eher unvorteilhafte Macken sein Eigen nennt. (››Die kalte Nacht‹‹)
Erlebe, wie ein komischer Typ mehreren Menschen in seinem Haus vielleicht nicht nur helfen möchte… (››Stuff‹‹)
Zusätzlich schrieb der Autor ausführlich über eine seiner großen Lieben: Die Musik. (››Eine kleine und kurze Reise durch einen Ausschnitt der Musikwelt eines Musikliebhabers‹‹)

Wer nach dem Lesen dieses Einstiegs Lust auf mehr hat, kann u.a. bei Amazon (http://www.amazon.de/Trashig-d%C3%BCster-laut-h%C3%A4sslich-musikalischer-ebook/dp/B008I3NHII/ref=sr_1_5_bnp_1_kin?ie=UTF8&qid=1410949666&sr=8-5&keywords=lumpitzsch) für 2,99 € den kompletten Kurz-Roman ››Dunkel‹‹ sowie einige weitere Geschichten und Texte als E-Book fürs Kindle oder andere E-Book-Lesegeräte oder Smartphones (mit installierter Kindle App) bestellen.

Willkommen in der Dunkelheit…

››Trashig, düster, laut & hässlich‹‹ trägt den Untertitel ››Böse Stories und ein musikalischer Bonustrack‹‹ und enthält Geschichten, von denen sich die meisten am ehesten dem Thriller- bzw. Horror-Genre zuordnen lassen. Ein Hauch von Düsterem und Strangem weht durch jede der Stories.
Im blutigen und düsteren Kurz-Roman ››Dunkel‹‹ wird Jim in einen Strudel der Gewalt und eine Menge Merkwürdigkeiten gerissen, als er wegen seinem Vater Nathaniel Bekanntschaft mit dem mächtigen Schurken Jones Figurato machen muss.
Áris Sorbotas – ein irrer und äußerst brutaler sowie seltsamer Mörder – befindet sich hingegen auf seinem Weg zur absoluten Perfektion und hat noch eine Rechnung offen, für deren Begleichung er durch blutiges Gemetzel über Leichen geht…
Der Thriller begleitet einerseits die beiden recht planlosen Polizisten Alan McKrigley und Lenny Pinkerflobble bei ihren Versuchen, Jones Figurato und den aus einem Gefängnis geflüchteten Áris aufzuhalten, andererseits erleben wir aber auch die Versuche von Jim, seinem Vater zu helfen und schauen dem offensichtlich verrückten Áris Sorbotas bei seinen brutalen Taten über die Schulter.
In dieser ziemlich gewaltbeladenen Geschichte spielt auch Lisa Hollister – die Geliebte von Jones Figurato – eine Rolle und dann sind da noch ein komischer Butler, einige Leibwächter mit eigenen Plänen und ein undurchsichtiger Typ namens Tiger…
››Flucht‹‹ handelt von fünf chaotischen Verbrechern, welchen an einem Freitag, den 13. ein Banküberfall gelingt. Bereits während ihrer Flucht mit dröhnender Musik aus dem Radio und Millionen im Kofferraum betrinken sich diese schrägen Typen und verstecken sich in einem abgelegenen und gruseligen Unterschlupf…
Als Harold Brookleton eine Zeitungsanzeige mit der Frage ››Liebst Du?‹‹ entdeckt, wird sein Leben in eine furchtbare Hölle verwandelt, nachdem er zunächst von einer mysteriösen Stimme terrorisiert sowie fremdgeleitet wird und später dann die Bekanntschaft mit Thaddäus Bartholomäus Fitzgerald macht. Eine Begegnung, die er sich besser erspart hätte…
Woher stammt jene mysteriöse Melodie? Wie kommt die donnernde Stimme in Harolds Kopf? Weshalb klingelt ein Telefon, dessen Hörer nicht aufgelegt wurde? Warum blinzelt jener seltsam alterslose Mann, dessen Gast Harold wird, nicht?
Das Leben von Harold Brookleton verwandelt sich in den reinsten Horror…
In der Geschichte ››Rache‹‹, in welcher auch ein grauenerregendes Haus eine Rolle spielt, kehrt Rontruso als totes Geschöpf zurück und steht plötzlich Tratzuc – für seinen Tod verantwortlich – gegenüber.
››Stuff‹‹ erzählt von Bruce Drunken und drei weiteren Personen, die sich im Haus des merkwürdigen Bruno Drunato aufhalten. Dieser scheint den Menschen bei der Bekämpfung ihres Problems helfen zu wollen, trägt jedoch zudem ein äußerst erschreckendes Geheimnis mit sich herum…
››Last Days‹‹ berichtet von den letzten Monaten der Menschheit auf der Erde, welche durch die Seuche ›NREE257‹ sowie kriminelle Organisationen in ihren Untergang gestürzt wurde.
››Ein Jahr‹‹ ohne eine negative Eigenschaft, welcher er nachgegangen war, bewirkt für einen Mann etwas ausgesprochen Merkwürdiges.
››Eine seltsame Unterhaltung‹‹ liefert genau eine solche.
››Stille‹‹ handelt von einem Menschen, der alleine auf einer verlassenen und stillen Welt zu sein scheint, weshalb er über empfundene Gefühle und Gedanken inmitten dieser beängstigenden Situation schreibt.
In ››Die kalte Nacht‹‹ erleben mehrere Jugendliche in einer stürmischen und verregneten Nacht den reinsten Albtraum, als sich ein Mann zu ihnen gesellt, der einige Macken hat.
In ››Eine kleine und kurze Reise durch einen Ausschnitt der Musikwelt eines Musikliebhabers‹‹ schreibt der Autor über Bands, einzelne Künstler, aber auch seine Gefühle rund um das Hören von Musik an sich.
Als Bonustrack ist die im Jahr 2014 wesentlich erweiterte ausführliche Preview zu einem noch nicht veröffentlichten Thriller mit dem Titel ››Frei‹‹ zu finden.

START DER LESEPROBE:

›››DUNKEL‹‹


Ein blutiger Kurzroman
von
Linus Lumpitzsch


I

››Halleluja, ich hoffe, ihr Pfeifen habt endlich verstanden, wie ihr vorzugehen habt. Oder muss ich euch unterbelichteten Nieten etwa auch noch einen Plan aufzeichnen?‹‹ wollte er von den beiden wie Espenlaub zitternden Typen wissen.
Blicke der Irritation trafen ihn und diese riefen – nicht nur, weil die Nacht bereits weit fortgeschritten war – bei dem unrasierten und etwas fettleibigen Mann in dem schwarzen Ledersessel kein müdes Lächeln hervor. Sie versetzten ihn stattdessen in allergrößten Zorn.
Des Öfteren hatte er sich bereits die Frage gestellt, ob er nicht zu dumme Männer für sein Vorhaben engagiert hatte. Diese Beschränkten schienen höchstens soviel Hirn zu haben wie ein Regenwurm.
Dennoch blieb er relativ gelassen und zeigte ihnen die Wut, welche er mittlerweile verspürte, nicht allzu deutlich. Abgesehen davon war er von der Tatsache überzeugt, dass sie diese nicht einmal dann erkennen würden, wenn er ihnen das Messer mit der scharfen Klinge durch die Handflächen stoßen würde, welche sie auf dem alten Tisch platziert hatten.
Innerlich verfluchte sich Jones Figurato. Da konnte er eine wunderbare Nacht mit Lisa erleben, befand sich aber stattdessen mit diesen beiden madenhirnartigen Kreaturen der absoluten Verblödung in diesem schäbigen Hinterzimmer des Tabakladens seines Bruders.
››Ich hätte da noch eine Frage…‹‹, begann derjenige, der Jones links gegenüber saß.
Jones Figurato warf einen kurzen und ernsthaften Blick auf seine Uhr.
Er wollte Lisa ficken und dieser erbärmlichen nächtlichen Sitzung in diesem verrauchten und miefenden Hinterzimmer nun bald ein Ende bereiten.
Trotzdem bemühte sich der große Mann um eine einigermaßen menschliche Reaktion, selbst wenn ihm im tiefsten Herzen nach Furchteinflößung zumute war.
››Was, bitteschön, hat mein liebster Mister Ranglodut daran nicht verstanden?‹‹
Sein gehässiger Ton wurde begleitet von einer derartigen Festigkeit, sodass Harold Ranglodut ein kalter Schauer über den Rücken lief.
Der andere warf Ranglodut einen etwas wütenden, zugleich jedoch bestätigenden Blick zu. Ihm war bewusst, was sein Partner gewillt war, zu erfahren.
››Ähm. Nun, wie viel, ich meine…‹‹
Ranglodut konnte seine ungeschickt begonnene Fragestellung nicht zu Ende führen, denn diesmal zog Jones Figurato das silbrig-matt glänzende Messer tatsächlich hervor. Die kurzfristig eintretende Stille beunruhigte sie beide.
Langsam ließ er die Klinge des gefürchteten Messers sich immer wieder in die Tischkante fressen. Dies erzeugte einen unangenehmen Ton, was fast noch schlimmer als die Stille war.
Ihnen beiden war vollkommen klar, dass Figurato sie jederzeit ersetzen und ihnen – ohne auch nur einen Moment zu zögern – dieses Messer in ihre Herzen stoßen würde, wenn ihm danach sein sollte.
››Diesmal wird der Dienst nicht bezahlt, meine Herren. Irgendwelche Beschwerden?‹‹ fragte er sie voller Hohn in der Stimme.
Wahrlich, er liebte die ihm verliehene Macht diesen beiden stumpfsinnigen Idioten gegenüber.
Ranglodut betrachtete von leichtem Zittern begleitet das Messer, welches Figurato noch immer stets aufs Neue in die Kante des alten Tisches stieß.
››Nun, ich hoffe doch sehr, ihr könnt euch mit den gegebenen Umständen anfreunden?‹‹
Jones Figurato tat sich schwer damit, nicht auf der Stelle in höhnisches Lachen zu verfallen. Dennoch gelang ihm das Unglaubliche: Er blieb stumm.
Anders das Mobiltelefon, welches er in der Innentasche seines schwarzen und maßgeschneiderten Jacketts trug. Dieses hatte mit der Melodie von ››Spiel mir das Lied vom Tod‹‹ zu klingeln begonnen.
Er ließ das Messer noch zwei weitere Male in das Holz des Tisches fahren und warf den beiden ihm gegenüber sitzenden Gestalten einen belustigten und doch zugleich ernsthaften und strengen Blick zu. Dann endlich griff er nach dem iPhone und tippte auf dem Display auf Gesprächs-Annahme.
Die beiden betrachteten ihn vorsichtig abwartend. Sie waren erleichtert, dass die unheimliche Stimmung durch die laute Anrufmelodie des Telefons beendet worden war.
Immer wieder warf ihr Boss ihnen prüfende Blicke zu, ehe er sich wieder seinem Gesprächspartner zuwandte. Dabei klang er sehr bestimmend. Scheinbar hatte er dem Anrufer seine ganze Macht zu verdeutlichen, um ein Geschäft durch seine typische Einschüchterungsmasche zu einem für ihn günstigeren Abschluss zu bringen.
Urplötzlich ließ sich Figurato in seinen Sessel fallen und schloss für Momente während des Telefonats die Augen.
Harold Ranglodut inspizierte seinen Partner Phil Sodrumo für wenige Sekunden. Dann schweifte sein Blick ab, so dass er die Umrisse von Figurato im schwarzen Ledersessel im Blickfeld hatte. In diesem wirkte Jones Figurato noch mächtiger, als dies ohnehin schon der Fall war.
››Dann darf ich Sie beglückwünschen. Ich möchte zum Abschluss noch erwähnen, dass ich mich geehrt fühle, mit Ihnen Geschäfte gemacht zu haben.‹‹
Mit diesen Worten beendete Figurato das etwa drei-minütige Telefongespräch, während welchem er das eine oder andere Mal über die schlechte Verbindungsqualität geflucht hatte.
Nachdem er das Handy wieder in der Innentasche seines Nadelstreifenjacketts verstaut hatte, konzentrierte sich sein Blick wieder vollständig auf Harold Ranglodut und Phil Sodrumo.
Erst meinten sie lediglich, ein Lächeln in den Zügen von Figuratos müdem Gesicht zu erkennen, dann jedoch wurde dieses zur offensichtlichen Realität und ein bestialisches Grinsen, wie dies zweifelsohne nur von Jones Figurato kommen konnte, überzog die kantige Visage jenes dreiundfünfzigjährigen Mannes, dessen Kopf von einer Halbglatze geziert wurde.
››Meine Freunde. Seit wann arbeitet ihr Typen für mich?‹‹
Fragend blickten sich die beiden etwa fünf Sekunden an, dann sahen sie wieder direkt in die eiskalt wirkenden Augen von Jones Figurato.
››Im Dezember zehn Monate, Mister Figurato‹‹, antwortete Phil.
››Nun, ihr beide seid keine fünfunddreißig. Ich habe doch Recht, nicht wahr?‹‹
Er ließ ihnen keine Möglichkeit, ihm zu antworten und ebenso wenig schien er auf eine Reaktion ihrerseits zu warten.
››Dieses Leben ist ein Jammer, nicht wahr? Ungerechtigkeit trifft die Falschen, Ruhm und Geld spazieren zu den Schlechten. Aber wir sind doch alle von der dunklen Seite.‹‹
Jones erhob sich, dabei nun wieder das Messer in der rechten Hand haltend.
Dann trat er langsam auf die beiden zu.
››Spürt ihr, wie die Nacht nach Fressen schreit? Das Leben verlangt ab und zu von uns allen sehr… ja… traurige Dinge, nicht wahr?‹‹

II

Jim Gutamore erwachte an diesem Samstag nach einem tiefen Schlaf um kurz nach acht Uhr am Morgen. Draußen tat sich die Sonne noch sehr schwer damit, sich für ihre Strahlen einen Weg durch ein großes Meer blumenkohlartiger Wolken zu bahnen.
Langsam öffnete er seine Augen und blickte in den Lauf der auf ihn gerichteten Smith & Wesson. Er wagte den Wechsel seines Blickfelds und sah in die Augen seines Vaters.
››Was soll das, Nathaniel?‹‹ war das Einzige, was er stammelnd und noch dazu sehr zögerlich hervorzubringen in der Lage war.
Die Miene im Gesicht seines Vaters änderte sich nicht ein bisschen.
Noch immer hielt der den Revolver auf den Kopf von Jim gerichtet und blickte dazu in eine gähnende Leere, in ein anderes Jetzt.
››Ich verlange von dir, dass du mir auf der Stelle erklärst, was du mit diesem Theater beabsichtigst! Nimm das blöde Ding weg, verdammt noch mal!‹‹
Nach einigen Augenblicken fügte er hinzu: ››Wie bist du überhaupt hier reingekommen?‹‹
››Die olle Hausbesitzerin. Jim, ich möchte dir nichts tun. Aber hör’ mir zu, verdammt und Halleluja!‹‹
Jim schüttelte nur den Kopf und sah dabei seinen Vater an.
Eine kurze Stille kehrte ein, während welcher Jim beobachtete, wie Nathaniel mit der Smith & Wesson auf verschiedene Gegenstände zielte, um die Waffe dann endlich doch wegzustecken.
››Ich geh’ mich erst mal etwas…‹‹
Jim konnte seinen Satz nicht beenden. Wieder diese alte, gebrechliche und doch von Herrschsucht begleitete Stimme seines sehr gealterten Vaters.
››Scheiße, wir haben keine Zeit mehr, Jim. Beeil’ dich!‹‹
Auch wenn ihm viel daran lag, von seinem Vater zu erfahren, was diesen hierher getrieben hatte, beschloss er, den Gang ins Bad fürs erste vorzuziehen. Er warf seinem ungebetenen Gast einen letzten Blick zu, dann verschwand er.
››Sohn?‹‹ rief Nathaniel nach etwa fünf Minuten.
Jim verzog genervt sein Gesicht, als er die Stimme seines Vaters vernahm.
››Was, verdammt?‹‹
Beim Nassrasieren rutschte er ein wenig ab und schnitt sich. Ein penetrantes Brennen zog sich über sein Gesicht.
››Was ist mit einer Frau?‹‹ fragte Nathaniel und klang auf einmal überhaupt nicht mehr besonders alt.
››Das geht dich nichts an‹‹, entgegnete Jim, der seine Rasur beendet und den Schnitt verwundet hatte.
Er öffnete die Türe des Bades, um wieder auf seinen Besucher zuzutreten.
››Keine Frau? Kein Spaß?‹‹ fragte jener Mann, der in Jims Augen immer ein hoffnungsloser Lustmolch gewesen war.
››Deshalb bist du wohl kaum hier. Erzähl’ mir, was los ist!‹‹
Das schelmische Grinsen verschwand vollständig aus Nathaniels Gesicht.
››Ich sitze in der Klemme. Du bist der einzige Mensch, dem ich mein Vertrauen schenken kann.‹‹
››Was hast du ausgefressen? Erzähl’ schon! Du hast dich doch nicht etwa an einer Minderjährigen vergriffen, oder?‹‹
Er begann zu lachen, spürte jedoch den kalten Atem seines Vaters am Hals und kurz darauf auch den überraschend festen Griff um selbigen.
››Das ist kein Moment für Scherze, Jungchen. Ich bin hier hergekommen, weil ich deine Hilfe brauche.‹‹
››Du hast zwei Möglichkeiten. Entweder du erzählst mir innerhalb von dreißig Sekunden, was dir auf dem Herzen liegt, oder du kannst gleich wieder verschwinden.‹‹
Er prüfte die Reaktion seines Vaters und wartete ab.
››Ich werde bedroht und brauche deine Hilfe.‹‹
Jim schüttelte den Kopf.
››Das mit der Hilfe hast du mir jetzt schon tausend Mal vorgesungen, die Platte hängt. Fünfzehn Sekunden noch. Du hast mir noch nicht erzählt, was genau geschehen ist.‹‹
Sein Vater nickte schnell und zog den Revolver erneut hervor.
››Ich hab’ verstanden, Jungchen. Aber diese Masche wird nicht ziehen.‹‹
Er richtete die Smith & Wesson wieder auf sein eigen Fleisch und Blut.
››Du gibst mir genau die Zeit, die ich brauche! Kapiert?‹‹
Jim reagierte überhaupt nicht. Er warf einen Blick über Nathaniels Schulter hinaus aus dem Fenster und stellte fest, dass ein leichter Schneefall eingesetzt hatte.

III

In diesem Moment entdeckte Police-Officer Lenny Pinkerflobble, der sich im Tabakladen bei Alec Figurato neben Tabak auch Informationen über dessen Bruder besorgen wollte, die Blutspuren, welche ihn trotz Gegenwehr in das hintere Zimmer führen sollten…

IV

››Du bittest mich um Hilfe und richtest den Revolver auf mich. Irgendwie komisch. Erzähl’ mir, bist du wirklich so ein dummer…‹‹
Sein Vater wurde wütend und drückte die Smith & Wesson an die Brust seines Sohnes.
››Schweig’, Jungchen! Das ertrage ich nicht. Hör’ auf mit diesem Blödsinn! Setz’ dich auf den verdammten Stuhl und halt’ deinen Mund!‹‹
In Jim breitete sich eine gewisse Scham aus, der Sohn dieses durchgedrehten Irren zu sein. Sein Vater setzte sich nach einer Weile ebenfalls hin und nickte. Dann klingelte das Telefon, woraufhin Nathaniel aufschreckte.
››Hab’ ihnen deine Nummer gegeben, sie wollten das so‹‹, brachte er fast stammelnd hervor.
Jim nahm den Hörer ab.
Sein Vater beobachtete das Ganze mit dem nach wie vor auf seinen Sohn gerichteten Revolver.
››Wer sind Sie? Ich kenne Sie nicht‹‹, meinte Jim nach einigen Augenblicken.
Die Person am anderen Ende der Leitung entgegnete: ››Nun, damit liegen Sie richtig. Aber das wird sich in Kürze ändern.‹‹
Die Stimme des Anrufers klang sehr bestimmt und überlegen.
››Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie wegen meinem Vater Nathaniel Gutamore anrufen?‹‹ fragte Jim und nahm diesen für kurze Zeit ins Visier, ehe er wieder die Pinnwand über der Kommode, auf welcher das schwarze Tastentelefon stand, ansah.
Nach weniger als zwei Minuten legte Jim mit zornigem Gesicht den Hörer auf.
››Nathaniel, Nathaniel…‹‹, sprach er recht wütend und trat auf seinen Vater zu.
››Was ist geschehen?‹‹
Vor der abermals auf ihn gerichteten Waffe hatte er mittlerweile keine Angst mehr.
››Das war ein Mitarbeiter von Jones Figurato. Wer das ist, brauch’ ich dir höchstwahrscheinlich nicht näher zu erläutern. Was zur Hölle ist passiert?‹‹
Jim sah seinen Vater an, der die Waffe tatsächlich einsteckte und für einen Moment beinahe in Tränen auszubrechen schien.
››Zu spät, Jim. Das alles… ist zu viel für mich. Ich bin…‹‹, er stoppte und blickte seinen Sohn ernst an, ››…wir sind ernsthaft in Gefahr, mein Sohn.‹‹
Nathaniel Gutamore zog etwas hervor.
Jim betrachtete das Foto, welches ihm sein Vater mit zittrigen Händen gereicht hatte, sehr lange und war irritiert und beängstigt zugleich. Nach etwa einer Minute schüttelte Jim ungläubig den Kopf und starrte seinen Vater an.
››Das glaube ich nicht. Ist ja wohl nur ’ne schlechte Collage. Ein Trick. Ich… nein.‹‹
Er ließ das Foto zu Boden fallen und erhob sich. Sein Vater sagte nichts. Stattdessen blickte er aus dem Fenster und betrachtete die kleinen und sanft wirkenden Schneeflocken, welche zu Boden gingen.
››Nathaniel. Was hat das alles zu bedeuten?‹‹ fragte Jim nach einer Weile und betrachtete seinen Vater ernster, als er dies jemals zuvor getan hatte.
Nathaniel warf nun mit großen Augen Blicke auf das Foto, so als habe er dieses nicht bereits seit längerer Zeit bei sich und sähe den Schnappschuss nun ebenfalls zum ersten Mal. Langsam trat Jim, von leichter Traurigkeit erfüllt, auf seinen Vater zu.
››Schöne Scheiße, nicht wahr?‹‹ fragte Nathaniel mit einer gebrechlichen und zittrigen Stimme.
Jim verwunderte nicht im Geringsten, als er seinen Vater ansah und dieser bittere Tränen der Angst weinte.
››Ja‹‹, gab er als kurze Antwort von sich und ließ sich neben seinem Vater auf die Bettkante fallen.
Dann legte Jim seinen Arm auf die Schulter seines Vaters und lauschte dessen leisem Wimmern. So verging mehr als eine halbe Stunde, während welcher die beiden einfach nur dasaßen und kein Wort wechselten.
››Was schlägst du vor, Jim?‹‹ beendete Nathaniel nach gefühlten Ewigkeiten die eingekehrte Stille.
Er weinte nicht mehr und wischte sich leicht beschämt die Ansammlung der heißen Tränen aus dem Gesicht. Er konnte sich nicht daran erinnern, seinen Gefühlen in Gegenwart seines Sohnes auch nur einmal derart freien Lauf gelassen zu haben.
Vor nicht langer Zeit hatte die naheliegende St. James-Kirche neun Mal geläutet. Die beiden saßen noch immer auf der Kante des ungemachten Bettes.
››Wir müssen ihn treffen. Das wurde mir vorhin am Telefon mitgeteilt. Ich weiß nicht, wie ernst sie das Ganze meinen. Aber entweder, wir halten das Treffen ein, oder…‹‹
Er sah seinem Vater in dessen wässrige Augen.
››Oder?‹‹ begann Nathaniel und scharrte mit seinen schwarzen Schuhen auf dem Teppich.
››Was drohen sie uns an, Jungchen?‹‹
››Oder wir können uns demnächst neue Methoden überlegen, wie wir etwas hören wollen. Was soll dieser Quatsch? Sag’ mir, dass das Foto gefälscht ist.‹‹
Sein Vater erhob sich langsam wieder und deutete seinem Sohn an, sich nun gemeinsam mit ihm auf den Weg zu machen. Jim begleitete seinen Vater mit einem sehr mulmigen Gefühl.
››Du hast doch nicht etwa immer noch die alte Corvette?‹‹ fragte Jim und wusste zugleich bereits die Antwort: Niemals würde Nathaniel die orangefarbene und stets sehr gut gepflegte Corvette einfach so aufgeben.
Jims Vermutung wurde bestätigt, als sie wenige Augenblicke später vor dem Wagen angelangten. Da stand sie im leichten Schneefall, glänzte förmlich vom vielen Polieren, grinste sie an.
››Da staunst du. Hattest du etwa gedacht, ich würde diese Mühle einfach so aufgeben? Ich bin froh, dass du bereit bist, mir zur Seite zu stehen.‹‹
Der Vater lächelte, während er den Wagen auf die Straße lenkte und warf seinem Sohn einen kurzen Blick zu.
››Na, du bist vielleicht ein Scherzkeks. Was für ’ne Wahl hab’ ich denn?‹‹
Zufrieden lächelte der Vater, dann kehrte eine Stille ein, während Nathaniel unter dem gleichmäßigen und sehr gesund klingenden Geräusch der Corvette den Wagen der Bleibe von Jones Figurato entgegensteuerte. Nathaniel schaltete das Radio ein, woraufhin sich nach kurzer Zeit ein Country-Sender einstellte.
Jim erinnerte sich genau, wie sein Vater früher dieses Zeug gehört hatte. Vor allem entsann er sich dieser Sonntage, wenn sie alle gemeinsam gefrühstückt hatten und Nathaniel sein Western- und Country-Gedudel eingeschaltet, sich zufrieden mit einer selbstgedrehten Zigarette im Mund in einen Sessel fallen lassen und in der Folge die Zeitung gelesen hatte. Die Erinnerung rief ein kurzes Lächeln in sein Gesicht, welches jedoch schnell wieder verschwand.
Erneut trat dieses Foto in den Vordergrund seiner Gedanken.
››Wie bist du zu deinem hübschen Portrait gekommen?‹‹ wollte Jim wissen, während er den recht starken Autoverkehr auf der Straße vor ihnen betrachtete.
Ihn suchte kein gutes Gefühl heim.
Jones Figurato deutete nicht gerade auf Freundschaft und einen gemütlichen Plausch hin.
››Sie haben mir den Schnappschuss geschickt. Ich… du weißt, dass mir das alles leid tut. Die verfluchte Knarre werd’ ich im Auto lassen. Wollte dich sowieso nur ein wenig vorantreiben damit.‹‹
Jim blickte seinen Vater zornig an.
››Wirklich sehr nett von dir, mich mit dieser Scheiße zu beglücken. Mach’ mit der Waffe, was du willst, von mir aus kannst du sie dir auch in dein rechtes Nasenloch schieben. Aber richte das blöde Ding nicht nochmal auf mich. Ich bin doch dabei, oder nicht?‹‹

V

››So eine verdammte Scheiße. Die Leute werden immer kränker in ihrer Birne‹‹, fluchte der Polizist, während sich ihm bei dem Anblick der beiden verstümmelten Körper der getöteten Personen beinahe der Magen umdrehte.
Lenny Pinkerflobble, der Partner von Alan McKrigley, nickte nur gelangweilt mit dem Kopf. Allzu oft hatte er solch derbe Anblicke über sich ergehen lassen müssen und im Laufe der Zeit gelernt, dies als seine Arbeit anzusehen und die Gefühle abzuschalten. Natürlich funktionierte das nicht immer, denn auch nach über zehn Jahren des harten und nervenaufreibenden Polizisten-Daseins in Hitchten war Lenny Pinkerflobble in erster Linie noch immer ein Mensch mit Gefühlen.
››Kranke Bastarde‹‹, meinte er dennoch kurz angebunden und machte den Weg frei für den Fotografen.
Weit abseits der Polizisten und sensationssüchtigen Presseleute stand an diesem Morgen ein Mann, welcher sich fragend an der Stirn kratzte und den angerichteten Schaden in seinem Tabakladen betrachtete: Der Bruder von Jones Figurato. Alec konnte einfach keine Antwort darauf finden, weshalb ihn sein eigener Bruder derartig in die Scheiße hatte reiten müssen. Während Alec – von einer leichten Fassungslosigkeit heimgesucht – noch immer nur dastand, trat Lenny langsam auf ihn zu.
››In Ordnung. Ich vermute, uns ist beiden klar, wer hinter dieser Schweinerei steckt. Du weißt, was wir von dir wissen wollen. Raus mit der Sprache!‹‹
Alec blickte den Police-Officer nicht an, sah stattdessen immer noch in die weite Ferne, und entgegnete: ››Mein Bruder und ich, wir haben mit diesem Mist nichts zu tun. Oder nehmen Sie etwa an, einer von uns beiden würde sich derart stümperhaft benehmen?‹‹
Lenny entgegnete nichts.
››Selbst Ihnen müsste ersichtlich sein, dass da jemand versucht, uns in den Sumpf zu ziehen…‹‹
Lenny wurde, während sich Alan mehr oder weniger erfolgreich mit den Presseleuten auseinandersetzte, langsam ungeduldig.
››Ich krieg’ euch am Arsch. Richte das deinem verdammten Bruder aus! Die Zeit der Kooperation ist beendet. Ich hab’ genug von der Scheiße. Dein Bruder hält sich nicht an die Abmachungen‹‹, meinte der genervte Lenny Pinkerflobble und wünschte sich den Feierabend herbei. Dann würde er sich hoffentlich zu gutem Bier das Footballspiel auf ›Sport Channel Hitchten‹ ansehen.
Er wandte sich zu Alan um und vertiefte sich kurz darauf mit seinem Kollegen in ein Gespräch. Währenddessen wuchs der Zorn, welchen Alec verspürte, immer weiter an. Sein Bruder Jones und er hatten von ihrem amerikanischen Vater und ihrer italienischen Mutter gelernt, sich gegenseitig stets zu helfen und bisher hatte Jones das – nicht nur in finanzieller Hinsicht (er hatte schließlich dafür gesorgt, dass Alec seinen Laden nicht hatte schließen müssen), sondern auch in rein menschlicher – stets getan. Ein Bann war gebrochen. Diese einfache Tatsache enttäuschte Alec Figurato zutiefst.

VI

Jones Figurato strich sich durch sein fettiges Haar und blickte sie an.

››Schätzchen, bist du sicher, dass du dich gut fühlst?‹‹ fragte er und warf Lisa einen auffordernden Blick zu.

Dann trat er bis auf wenige Zentimeter auf sie zu und gab ihr einen kurzen, nahezu schamhaft wirkenden Kuss.

Sie nickte nur und erwiderte seine Gefühle nicht im Geringsten. Stattdessen entfernte sie sich und trat in die Ecke links des Fensters. Von dort aus sah sie Jones an und wartete ab, was der als nächstes tun würde.

Sie empfand viele Gefühle für ihn. Nicht alle waren guter Art.

Das alte Radio in der anderen Ecke war leise eingestellt und ein monoton sprechender Ansager verlas nahezu perfekt und dialektfrei die neuesten Nachrichten. Jones Figurato schenkte den Meldungen keinerlei Beachtung.

››Ja. Alles ist okay‹‹, meinte sie kurz angebunden.

Jones Figurato trat einen Schritt auf sie zu.

››Süße, mir gefällt das nicht‹‹, sagte er leise und verstummte wieder.

Die Stimme des Sprechers aus dem Radio war nun lauter als jene von Figurato.

Sie sah ihn fragend an. Jones warf einen flüchtigen Blick aus dem Fenster und überlegte sich, ob sie ihn nicht belog. Nun sah Lisa ihn leicht irritiert an.

››Was willst du?‹‹ brachte sie hervor.

››Das gefällt mir nicht‹‹, wiederholte Figurato und begann, immer wieder auf und ab zu marschieren.

››Du hast keinen Grund, dir Gedanken zu machen‹‹, meinte sie.

Dann ließ sie sich langsam an der Wand zu Boden gleiten und betrachtete Jones, der noch immer nervös seine Runden drehte.

››Kann ich dir noch vertrauen?‹‹ fragte er sanft und kaum vernehmbar.

Aus dem Radio drang nun direkt nach den News der Stunde ››The Air that I breathe‹‹ von den Hollies.

››Weshalb möchtest du das wissen? Selbstverständlich kannst du mir…‹‹

Sie hielt inne, denn Jones trat in dem spärlich eingerichteten Zimmer mit kleinen Schritten auf sie zu.

››Ich habe dich etwas gefragt. Antworte mir!‹‹ sprach er.

Nun war seine Stimme ein wenig lauter, jedoch noch immer von jener seltsamen Sanftheit begleitet.

››Ich… sicher. Du kannst mir vertrauen‹‹, entgegnete sie.

Das Zittern von Lisa erregte Figurato. Er drängte seine innersten Gelüste jedoch beiseite und schüttelte den Kopf.

››Weshalb glaube ich dir nicht, Süße? Warum erscheint mir jedes deiner Worte wie eine Lüge? Nur ausgesprochen, mich auf falsche Fährten zu locken.‹‹

Er hatte sich ihr bis auf wenige Zentimeter genähert und strich ihr über ihr knallrot gefärbtes Haar.

››Du brauchst dir…‹‹

Ein Mann trat in den Raum. Er hatte nicht angeklopft. Urplötzlich drehte sich Figurato zu dem Störenfried um.

››Bitte entschuldigen Sie, dass ich Sie unterbrechen muss, aber…‹‹

››Aber was?‹‹ wollte Figurato, der nun mit schnellen Schritten auf den Mann zutrat, die Meldung des Störenden beschleunigen.

Lisa Hollister betrachtete ängstlich, wie Jones auf den kleinwüchsigen Mann zuging. Sie wusste, was geschehen würde. Zu gut kannte sie Jones Figurato, den unberechenbarsten aller Männer, welchen sie jemals kennengelernt hatte.

››Scheiße‹‹, zischte Figurato und verpasste dem kleinen Mann mit den lockigen schwarzen Haaren einen festen Tritt gegen dessen Schienbein.

Der schob sich mit schmerzerfülltem Gesicht zur Seite und konnte den Fall ebenso wie einen lauten Aufschrei erst im letzten Moment verhindern. Im Laufe der Zeit hatte er gelernt, dass man besser damit fuhr, in den Augen von Figurato nicht den Eindruck eines Schwächlings zu hinterlassen. Dies hatte auch seine finanziellen Vorteile.

Aber der Schmerz war unbeschreiblich. Er krabbelte das Bein empor, kitzelte und stach zugleich, als piksten ihn hunderte von Stecknadeln.

››Ich wollte Ihnen lediglich mitteilen, dass Sie Besuch haben.‹‹

Jones Figurato setzte ein kurzes und ebenso falsches Lächeln auf.

››Ich hasse nichts mehr, als gestört zu werden, wenn mir das nicht passt. Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass ich Sie erschießen muss, sollte dies noch einmal vorkommen. Ich hoffe, Sie können das in Ihrem Spatzenhirn aufnehmen. Hauen Sie endlich ab und bitten Sie den Besuch herein!‹‹

Sofort nickte der kleine Mann und drehte sich zur Türe um, aus welcher er stark humpelnd hinausmarschierte.

››Hurenbock‹‹, brachten seine Lippen sehr leise hervor.

Figurato drehte sich erneut zu Lisa um.

››Ich möchte, dass du mich begleitest!‹‹ befahl er mit einer lieblich-süßen Honigstimme.

Langsam erhob sich Lisa. Vom Gang her waren Schritte auf den knarrenden Holzdielen des alten Bodens zu vernehmen. Lisa hakte sich bei Figurato ein und gemeinsam traten sie auf ihre Gäste zu. Aus dem Radio drang nun frech-verführerisch daher gezwitschert die Aufforderung, diese und jene Kontakt-Nummer anzurufen.

Die beiden Besucher standen Figurato und Lisa gegenüber. Kurze Zeit blickten sie alle dem kleinwüchsigen Mann hinterher, welcher sich mit hastigen und nervös wirkenden Schritten hinkend davonmachte, um in einen der anderen Räume zu gelangen.

››Nun, wenn ich mich nicht ganz täusche, dann müssten Sie Jim sein, nicht wahr?‹‹ beendete Jones Figurato nach einiger Zeit die eingetretene Stille.

Jim nickte. Sein Blick hatte sich in der weiblichen Begleitung von Figurato verfangen. Von dieser Frau ging sofort eine besondere Faszination aus, welcher er sich nicht zu entziehen vermochte. Während Figurato ihn und Nathaniel in einen der Räume bat, war Jim mit seinem Blick noch immer in der Anzüglichkeit jener jungen Frau verfangen und konnte sich nicht abwenden. Sie hatte etwas sehr Geheimnisvolles an sich.

››Jim. Wenn ich auch Sie bitten dürfte?‹‹ wischte Jones Figurato die fesselnde Faszination, welche Jim dieser jungen Frau gegenüber verspürte, nur für kurze Zeit davon.

Jim räusperte sich und folgte den Dreien.

››Wenn Sie sich bitte setzen würden‹‹, meinte Figurato und schnippte, als sie seiner Bitte gefolgt waren, mit den Fingern.

Wenige Augenblicke später eilte der kleine Mann mit den eng beieinander liegenden Augen und der leichten Hakennase wieder herbei und beäugte seinen Chef fragend.

››Was wünschen die Herrschaften zu trinken?‹‹ fragte Figurato in einem überraschend vornehmen Ton.

Beide entschieden sich für eine nichtalkoholische koffeinhaltige Limonade.

››Also, ich könnte das um diese Tageszeit nicht‹‹, meinte Figurato.

Sie sahen ihn fragend an.

››Nun, eine ekelhafte Limonade zu mir nehmen‹‹, schloss er aufklärend ab.

Keiner brach in ein Lachen aus.

Lisa bestellte sich eine Orangenlimonade und Jones Figurato orderte einen Bourbon. Wenig später verschwand der kleine Mann wieder, nachdem er bestätigend genickt hatte.

Sie saßen Figurato und dessen Begleiterin auf einer roten Couch gegenüber. Zwischen den beiden Couches war ein gläserner niedriger Tisch platziert, welcher blitzte und blinkte. Jim saß genau gegenüber von Lisa.

Während der Zeit des Wartens auf die Getränke sprach keiner von ihnen ein Wort. Stattdessen beobachteten sie sich. Aus der Ferne war der kleine Butler zu hören, der seinen jüngsten Auftrag schnellstens ausführte. Er erschien etwa zwei Minuten später mit einem silbern glänzenden Tablett wieder bei seinem Chef, dessen Freundin und den Gästen.

Mit seinem Wiedererscheinen wurde auch das Schweigen gebrochen und Figurato fragte seinen Angestellten, ob sich die ›Montera‹-Brüder schon gemeldet hätten, was der kleinwüchsige und seltsam aussehende Mann verneinte. Recht zufrieden nickte Figurato und schickte den Bediensteten wieder aus dem Raum, nachdem dieser die Getränke verteilt hatte.

Der Blick von Jim verfing sich in den grünen und unschuldig wirkenden Augen der Frau. Sie mochte nicht älter als dreißig sein und lächelte ihm verführerisch, doch zugleich auch irgendwie ängstlich, entgegen.

››Darf ich vorstellen? Das ist Lisa, meine Geliebte.‹‹

Er strich ihr über ihr Haar und sah ihr dann in die Augen.

››Liebste, die Herren sind Nathaniel und Jim Gutamore‹‹, fuhr er fort, nahm das randvoll gefüllte Glas in die rechte Hand und trank einen Schluck vom Bourbon.

Dann erklang wieder die Melodie von ››Once Upon A Time In The West‹‹ aus Figuratos Mobiltelefon und während er den Drink abstellte bat er um Entschuldigung.

Jones Figurato lächelte aufgesetzt und erhob sich. Seine Schritte brachten ihn zum Fenster, aus welchem er blickte, während er das Gespräch annahm.

Jims Blick verfing sich wieder in der ihn so sehr faszinierenden Frau. Unter dem hauchdünnen roten Kleid zeichneten sich ihre vollen Brüste ab. Nathaniel stupste seinen Sohn vorsichtig an, als er erkannte, wie offensichtlich Jim starrte. Währenddessen vernahmen sie alle die laute und unzufrieden klingende Stimme von Figurato. Nach einigen Momenten warf er ihnen einen kurzen und ebenso flüchtigen Blick zu, ehe er wieder aus dem Fenster starrte und meinte, dass er diesmal nur Heroin für zweieinhalb Millionen Dollar nehmen würde.

››Alles wird in Ordnung kommen‹‹, meinte Lisa.

Noch immer trug sie dieses trügerische und scheinbar auch von Angst begleitete Lächeln in ihrem Gesicht.

››Ich hoffe, das Problem gehört bald der Vergangenheit an‹‹, sagte sie mehr zu sich selbst und warf einen kurzen Blick auf Jones Figurato.

Sie sprach sehr leise und mit klaren Worten. Jim fand, dass ihre Stimme etwas sehr Sanftes und Beruhigendes an sich hatte. Nun verfing sich sein Blick auf ihren schwarz geschminkten Lippen. Dann streifte dieser wieder weiter nach unten und noch während er ihren Körper musterte, starrte er auf das atemberaubende Samtkleid, welches sie trug.

Sehr plötzlich wurde dieser fesselnde Augenblick durch ein ››Scheiße‹‹ von Jones Figurato beendet, der wieder auf die drei zu trat.

Jim konnte seinen Blick im letzten Moment von Lisa abwenden und starrte stattdessen auf das Glas in seiner Hand.

››Dann wollen wir mal beginnen, nicht wahr?‹‹ meinte Figurato und steckte das Telefon wieder in die Innentasche seines Nadelstreifenanzugs.

Er nahm einen weiteren Schluck des Bourbons, drehte sich zu Lisa um und legte seine linke Hand auf ihre heiße Wange. Dann gab er ihr einen kurzen Kuss.

Jim konnte sich beinahe nicht davon abhalten, dem etwas dickbäuchigen Halbitaliener in dessen Weichteile zu treten. Nathaniel bemerkte auch diesmal die Reaktion von Jim. Besänftigend legte er kurz seine alte und von den vielen Jahren sehr gezeichnete Hand auf die seines Sohnes. Das genügte.

››Ihr Vater hat Ihnen das schöne Bild doch gezeigt, nicht wahr?‹‹

Jones Figurato gebrauchte dieses ›nicht wahr?‹ am Ende seiner Sätze nahezu ekelhaft häufig. Wütend und von Zorn begleitet nickte Jim und bemühte sich darum, nicht allzu viel des Frustes bemerkbar werden zu lassen.

››Sehr schön. Dann dürfte Ihnen bekannt sein, in welch prekärer Lage sich Ihr Vater befindet. Ich möchte vorschlagen, dass wir fortan Nägel mit Köpfen machen.‹‹

Jim warf einen weiteren von Entsetzen begleiteten Blick auf das Foto, welches er erneut in den Händen hielt.

››Was sagen Sie dazu, Jim?‹‹

››Ich weiß nicht. Er… ich kann einfach nicht glauben, was mir dieses Bild offenbart‹‹, sagte er und warf der jungen Frau einen von Sehnsucht begleiteten, jedoch extrem flüchtigen Blick zu.

Jones Figurato kramte aus seiner Tasche etwas hervor. Nach einiger Zeit erkannte Jim, dass dieser Gegenstand eine kleine Dose war. Wenig später drehte sich Figurato eine Zigarette und betrachtete die beiden Personen ihm gegenüber eingehend.

››Ich wüsste nicht, was an diesem Foto noch zweifelhaft und unklar sein sollte.‹‹

Er vollendete das Drehen der Zigarette, dann zündete er sich diese an und warf Jim einen weiteren Blick zu.

››Dann kläre ich Sie mal ein wenig über Ihren Vater auf‹‹, sagte Jones Figurato grinsend.

Jim entgegnete nichts und hielt noch immer die Fotografie in der Hand, auf welcher sein Vater zu sehen war, wie er mit einer Waffe in der Hand vor einer Person stand, welcher ein riesiges Loch in den Kopf geschossen worden war.

››Sie setzen ihn unter Druck. Mit dieser billigen Collage. Das…‹‹

Jones nahm einen langen Zug an der Zigarette und blies ihnen den Rauch entgegen.

››Na, wer wird denn gleich so aus der Haut fahren? Hören Sie sich doch bitte zuerst meine Version an‹‹, bat Figurato.

››Sind Sie bereit für die Wahrheit, mein Junge?‹‹ fragte er und lächelte Lisa zu.

Jim schüttelte nur den Kopf und sah seinen Vater an.

››Ich… Nathaniel… sag’ mir, dass…‹‹

Jims Vater sah seinem Sohn in die Augen und legte ihm eine Hand auf die rechte Schulter: ››Hör’ zu, mein Sohn! Ich bitte dich darum.‹‹

Zufrieden nickte Figurato.

››Sehr schön, Nathaniel. Nun, Jim: Die Wahrheit mag das eine oder andere Mal etwas sehr Hartes sein, nicht wahr? Unglaublich und abscheulich. Aber sich mit dieser Wahrheit auseinanderzusetzen, das ist die große Kunst. Ihr Vater…‹‹, er nahm wieder einen Zug an der selbstgedrehten Zigarette und blies ihnen ein weiteres Mal den Rauch entgegen, ››…arbeitet für mich, Jim. Ja, das ist die Wahrheit. Nun möchte er aussteigen.‹‹

Jim sah seinen Vater ungläubig, beschämt und wütend zugleich an.

››Nein‹‹, meinte er zornig und wusste dennoch zugleich, dass das, was der Mann auf der anderen Seite des Tisches gesagt hatte, nichts weiter als die harte und betäubende Wahrheit gewesen war.

Lisa trank einen weiteren Schluck von ihrer Orangenlimonade.

››Sie werden sicherlich verstehen, dass ich einen Ausstieg nicht akzeptieren werde. In der heutigen Zeit sind gute Arbeitnehmer selten. Und Ihr Vater, Jim, ist einer der besten.‹‹

Jim sah den Mann an. Dann wandte er sich um und blickte seinem Vater in dessen Augen. Sie waren mit Tränen gefüllt und strahlten Aussichts- und Hoffnungslosigkeit aus.

››Du bist ein Killer?‹‹ brachte Jim stammelnd hervor und schüttelte den Kopf.

››Ganz richtig, Jim. Ihr Vater ist ein eiskalter, sehr präziser und zuverlässiger Arbeitnehmer. Aber nehmen Sie doch nicht dieses herablassende und außerordentlich hässliche Wort in den Mund! Dieses Foto wurde heimlich geschossen, um eine gewisse Absicherung zu haben. Eine ziemlich billige und schäbige Tour. Das geb’ ich gerne zu.‹‹

Jim starrte abermals auf das Bild. Auf dem Foto trug Nathaniel eine falsche Brille und einen schlecht klebenden und offensichtlich falschen Schnurrbart. Außerdem hatte er eine falsche Nase über der eigenen.

››Jeder erkennt dich‹‹, meinte Jim aufgebracht.

Dann kehrte wieder einmal jene Stille ein, welche an den Nerven von Jim und seinem Vater, dem scheinbar kaltblütigen und hervorragend arbeitenden Killer, zehrte.

››Lassen Sie mich meine kleine Erzählung fortsetzen, Jim! Nun, Ihr Vater arbeitet seit mehr als fünf Jahren für mich. Damals habe ich ihn in seinem Suff im ›Dollten Pub‹ aufgelesen. Nun, zuerst einmal habe ich ihn ausnüchtern lassen, um ihn anschließend vor die Wahl zu stellen.‹‹

Jim warf Jones Figurato einen zornigen Blick zu.

››Welche?‹‹ fragte er aufgebracht und betrachtete Jones, der in diesem Moment offensichtlich innerlich befriedigt die Zigarette in einem goldenen Aschenbecher ausdrückte.

››Nun. Die Wahl, für mich zu arbeiten, oder überhaupt nicht mehr. Sie wissen schon. Das Leben ist hart.‹‹

Nathaniel legte seine zitternde und schweißnasse Hand auf die seines Sohnes.

››Sie Bastard ließen ihm keine Alternative‹‹, schrie Jim.

Figurato lächelte noch immer und wirkte nicht besonders beeindruckt. Jim riss währenddessen seine Hand unter jener seines Vaters hervor und erhob sich.

››Ich hab’ genug von dieser Scheiße, die Sie mir vorsetzen‹‹, schnaubte Jim.

Noch einmal traf der Blick von Lisa Hollister den seinigen. Auch Nathaniel stand nun langsam auf. Er sah seinem Sohn ungläubig und enttäuscht hinterher.

››Nein, Junge. Mach’ das nicht! Du kannst mich hier nicht allein’ zurücklassen‹‹, flehte der Vater und trat einige Schritte in die Richtung, in welche auch Jim gelaufen war.

Jim hatte sich urplötzlich noch einmal umgedreht und blickte nun in die Augen seines Vaters, die kalt und doch zugleich sehr verletzlich wirkten.

››Du willst mir sagen, ich könne dich hier nicht alleine zurücklassen? Du, ein verfluchter Mörder? Ich hab’ genug von dem Theater. Ich brauch’ jetzt ’ne Pizza und ein paar kühle Bier.‹‹

Er wandte sich zu Jones Figurato und seiner erotischen Begleiterin um.

Mister Figurato strich sich über seinen Bauch und nickte zufrieden lächelnd. Er erwiderte den Blick von Jim.

››Und was Sie angeht…‹‹

Jim hielt inne und bemerkte das Zittern der Frau.

››Wie ich euresgleichen kenne, so werdet ihr euch keine fünf Minuten, nachdem ich hier raus bin, an die Kehle springen.‹‹

Nun lächelte Jim. Irgendwie kam er sich vor wie Clint Eastwood. Das hier jedoch war kein Film, den er sich ansah, und die Torte war noch längst nicht verspeist.

Jones Figurato erhob sich und trat bis auf wenige Zentimeter an ihn heran.

››Du willst uns tatsächlich verlassen, bevor ich euch erklärt habe, wie ihr aus diesem Problem herauskommen könnt? Ich werde den schwachköpfigen Untertanen rufen, damit er Sie zum Ausgang begleitet.‹‹

Jones’ hochnäsig hervorgebrachte Worte und seine ständige Vermischung von Siezen und Duzen klangen aus seinem Mund lächerlich, aufgesetzt und wie ein einziger durch LSD beeinträchtigt betrachteter Comicstrip.

Nathaniel trat seitlich an seinen Sohn heran.

››Bitte, Junge. Du darfst nicht gehen.‹‹

Jim kümmerte sich nicht um die Worte seines besorgten Vaters. Er riss sich los, als der ihn am Ärmel der Jacke packen und zurückzerren wollte. Wieder sah er Jones Figurato in dessen Augen.

››Eines noch, mein Freund. Ich möchte dir ein kleines Andenken mit auf den Weg geben‹‹, sagte dieser grinsend.

Jones legte seinen Arm um Jim und klopfte ihm auf dessen Schulter.

››Ich habe vollstes Verständnis, wenn du mit alldem hier nichts zu tun haben möchtest. Durchaus. Aber weißt du, die Zeiten sind schwierig. Sie sind kalt und grausam…‹‹

Jim bemerkte nicht, wie Jones sein gefürchtetes Messer hervorzog.

››Niemand von uns hat sich seine Rolle ausgesucht. Nicht wahr, Junge?‹‹

Jim sah Figurato von Angst gepackt an, als ihm bewusst wurde, dass der etwas im Schilde führte.

››Nein‹‹, stammelte er nach einigen wie unendlich zäh in die Länge gezogen wirkenden Augenblicken.

››Sehr schön, Jim‹‹, sagte Jones Figurato.

Lächelnd drückte er seinem Gegenüber mit dem Daumen auf die Nase.

››Nun gut. Bringen wir diese Farce zu Ende‹‹, grinste Jones Figurato.

Mit zwei großen Schritten hechtete er direkt auf Nathaniel zu, der erst spät bemerkte, was überhaupt geschah. Die vielen Jahre waren nicht spurlos an ihm vorübergezogen.

Figurato ließ sich mit einem lauten Aufschrei auf Nathaniel fallen, der stöhnend in die Kissen gedrückt wurde. In dem Moment, in welchem Jim zu den beiden rennen wollte, öffnete sich eine bisher nicht zu erkennen gewesene Türe und zwei bewaffnete Männer in schwarzen Anzügen traten in den Raum. Sie zielten direkt auf ihn.

››Neeeeeiiiiiin‹‹, schrie Jim, während sich Lisa langsam und angewidert abwandte, um das Dargebotene nicht mehr mit ansehen zu müssen.

Die beiden Männer behielten Jim auch dann noch im Visier, als dieser zitternd und weinend auf die Knie gegangen war und zu schluchzen begonnen hatte.

››Weißt du, Jim? Das alles ist vorausbestimmt‹‹, raunte Jones Figurato nun.

Er ließ das Messer mit der scharfen Klinge über das vor Angst zitternde Gesicht von Nathaniel kreisen.

››Ich hatte dir ein Andenken versprochen…‹‹

Jones begann laut zu lachen, dann setzte er das Messer unterhalb von Nathaniel Gutamores linkem Auge an und drückte dessen Spitze fest hinein. Ein lauter von Schmerzen und Qual begleiteter Aufschrei ertönte.

Jones lachte noch immer, während er weiter das Messer um das linke Auge von Nathaniel schnitt, der wild zappelte, sich jedoch nicht aus Figuratos Griff zu befreien vermochte.

Blut quoll hervor und spritzte herum. Der alte Mann zuckte und schlug wild und laut schreiend um sich, während ein unbeschreiblicher Schmerz ihn an den Rand der Bewusstlosigkeit trieb.

Jim konnte nichts unternehmen. Er war der Ohnmacht nahe und konnte doch seinen Blick auf die beiden Männer richten, welche Jones bei dessen Arbeit ziemlich gelangweilt zusahen und ein gequältes Lächeln hervorbrachten. Lisa Hollister hingegen war bereits schreiend aufgesprungen und aus dem Zimmer verschwunden.

Noch immer fraß sich das ohrenbetäubende Schreien des Mannes, welcher Höllenqualen zu erleiden hatte, in ihrer aller Ohren.

Jones lachte ununterbrochen und begann nun, das Messer leicht zu drehen. Die Gegenwehr von Nathaniel war nahezu vollkommen erloschen. Zu sehr war auch er der Ohnmacht nahe, während Jones weiter mit dem Messer das Auge ausschnitt und sich Nathaniel Schmerzen bitterbösester Art ausgeliefert sah, welche er glücklicherweise kaum noch mitbekam und fühlte.

Jim hielt sich die Ohren zu, um die Schreie der Qual nicht mehr hören zu müssen. Aber diese waren überall, hatten sich bereits in Jims Gehirn festgefressen. Er wollte aufspringen, um seinen Vater zu retten, war jedoch nicht in der Lage, sich zu rühren.

Das Schneiden des Messers erzeugte ein ekelhaftes Geräusch. Die Hand von Jones Figurato war befleckt mit Blut. Nun begannen auch die beiden Männer in den überhaupt nicht zu ihnen passenden Anzügen schallend zu lachen. Jim kotzte, während sein Vater weiter gequält wurde, auf den Boden vor sich.

Nach einigen Minuten verstummte das Schreien seines Vaters schließlich. Jim lag mit dem Kopf im Erbrochenen und hörte die langsamen Schritte, welche sich ihm näherten. Sein Atem war schwer und er überzeugt davon, dies alles könne nur ein Traum sein. Die Tränen rannen ihm noch immer das Gesicht hinab und er zitterte am ganzen Körper.

Jones Figurato bückte sich zu Jim herunter.

››Hier, das Andenken. Deinen Vater brauche ich noch.‹‹

Er ließ das blutige Auge in das Erbrochene fallen und wandte sich wieder den beiden Männern zu.

››Schafft ihn hier weg! Ich denke, diese Warnung hat ihm genügt. In die Kammer mit ihm!‹‹

Nun trat auch Lisa wieder in den Raum und hielt sich beim Anblick des Dargebotenen entsetzt die zarte rechte Hand vor ihren Mund, um nicht aufzuschreien. Jones Figurato warf einen angeekelten Blick auf Jim, der noch immer in seiner eigenen Kotze lag, während sich Lisa langsam näherte. Die beiden Männer setzten sich in Bewegung.

››Wo sollen wir seinen Sohn hinbringen?‹‹ wollte der Größere von den beiden wissen.

››Scheiße, das stinkt ja erbärmlich‹‹, wurde Jones Figurato angewidert los.

Er löste sich aus der verkrampften Umklammerung Lisas, um wenig später das herausgeschnittene Auge aufzuheben und dieses in die linke Tasche von Jims Hemd zu stecken.

››Das weiß ich im Moment noch nicht. Sperrt den Penner so lange in den Keller, wenn ihr den anderen in die Kammer eingeschlossen habt. Die Idioten müssen mit einem Wagen gekommen sein. Fahrt den in die vordere Garage und sorgt dafür, dass die Kotze weggemacht wird.‹‹

Er sah kurz zu Nathaniel, dessen Gesicht blutüberströmt war. Der Alte lag da und war wie auch sein Sohn für gewisse Zeit ebenfalls nicht bei Bewusstsein. Der kleinere Bodyguard bemerkte den nachdenklichen Blick von Jones Figurato.

››Sollen wir ihn nicht gleich aus dem Haus schaffen?‹‹ fragte er.

Figurato ließ das blutige Messer zwischen seinen Fingern herumtanzen und schenkte dem Fragestellenden einen zornigen Blick.

››Er bleibt hier. Kümmert euch zuerst um die Karre‹‹, meinte er, bewegte sich auf Nathaniel zu, in dessen Taschen er sogleich zu kramen begann.

Nach kurzer Zeit hielt er grinsend die Autoschlüssel der Corvette in die Höhe. Begleitet von einem zufriedenen ››Na, also‹‹ schleuderte er seinen Fund einem seiner Bodyguards an den Bauch. Der Getroffene bückte sich mit leicht zornigem Blick, hob den Schlüsselbund auf und zog seinen Partner mit sich. Laut sprang Sekunden später die Eichenholztüre hinter ihnen zu.

Für Momente lauschte Figurato den Schritten der beiden auf den knarrenden morschen Holzdielen. Anschließend wandte er sich Lisa zu. Sie hatte Tränen in den Augen und zitterte am ganzen Körper. Immer wieder warf sie kurze verstohlene Blicke auf Nathaniel, der nach wie vor regungslos in die Kissen auf der Couch gedrückt dalag.

››Ist er tot?‹‹ fragte sie und schüttelte dazu den Kopf.

Sie verspürte Unmengen des Hasses diesem Mann gegenüber, war sich zugleich jedoch der Aussichtslosigkeit der Lage bewusst und beruhigte sich schließlich sogar ein wenig.

››Blödsinn. Er hat diese Lektion nötig gehabt. Und ich hab’ das Gefühl, du könntest auch mal wieder eine vertragen.‹‹

Eiskalt

Áris Sorbotas war ein freier Mann. Um wieder in die Freiheit zurückkehren zu können, welche ihm von den Bastarden gestohlen worden war, hatte er das mühevoll aufgebaute Vertrauen seines Wärters zu ihm ausgenutzt.
Nun stand er für wenige Augenblicke unmittelbar vor der kleinen Polizeiwache von Traplehood, in welcher man ihn seit Wochen festgehalten hatte. Im rechten Mundwinkel glimmte eine Zigarette vor sich hin und Áris lächelte selbstgefällig über sein ganzes Gesicht. In seiner hinteren Hosentasche steckte ein fantastisches Buch, welches er sehr liebte.
Mit dem Wärter hatte er ein ziemlich leichtes Spiel gehabt. Er hatte ihn unter dem Vorwand, höllische Kopfschmerzen zu haben, zu sich gebeten und da ihm der allein anwesende Wärter der Wache Traplehood inzwischen vertraute, hatte dieser ohne jedes Zögern die Zelle geöffnet.
Áris hatte die Schritte gehört, die andeuteten, dass der Wärter auf ihn zutrat. Er sah Michael Homper nicht an und handelte stattdessen instinktiv, als er diesem blitzschnell entgegensprang und mit beiden Händen dessen Kehle umgriff. Die Umklammerung verfestigte sich deutlich.
Für Homper geschah all das viel zu schnell. Er war ein alter Mann und einem Großteil seiner körperlichen Kraft längst beraubt worden. Sein Gesicht lief begleitet von seinen lauten, dennoch zu ersticken scheinenden Schreien dunkelrot an.
Der Griff von Áris wurde immer fester und bald schon lag er auf Michael, dem mittlerweile Tränen des Schmerzes über die Wangen rannen.
››Na, was für ein Gefühl ist das, der Unterlegene zu sein?‹‹ fragte Áris, dem die langen und leicht gewellten schwarzen Haare vor dem Gesicht herunterhingen, während er blitzschnell die Waffe – eine Beretta – von Homper ergriff.
Als Antwort erhielt er nichts weiter als ein schrecklich klingendes Röcheln.
Immer wieder verstärkte Áris den Griff, während Homper herum zappelte und wild mit den Beinen auf dem kalten Steinboden der Zelle scharrte. Dann löste sich der Griff und Homper drehte sich auf den Bauch.
Áris nervte das schluchzende Weinen des Alten.
››Homper, alter Bursche. Sei so nett und halt’ endlich die Fresse‹‹, brachte Áris anschließend lächelnd hervor.
Nur langsam verschwand das Rot aus dem Gesicht von Michael Homper. Áris entsicherte die Beretta und zielte mit Hompers Dienstwaffe auf den Hinterkopf des alten Wärters.
››Im Leben geschehen Dinge, zu denen man gezwungen wird, Michael‹‹, gab Áris von sich.
››Nein‹‹, schrie Homper mit hörbarer Todesangst in seiner gebrechlich, schwach und zugleich panisch wirkenden Stimme. Seine Stirn beheimatete etliche Schweißtropfen.
Michael Homper zitterte am ganzen Körper und für einen kleinen Moment starrte er direkt in den auf ihn gerichteten Lauf seiner eigenen Dienstwaffe. In Michaels Kopf spulte sich dessen langes hinter ihm liegendes Leben ab und er blickte nun diesem Verrückten in dessen matte Augen. Homper schlängelte sich mit einer letzten großen Kraftanstrengung erstaunlich schnell zur Seite. Doch das brachte ihm überhaupt nichts mehr.
Áris drückte ab. Der erste Schuss verfehlte sein Ziel und schlug in der Wand der Zelle ein.
››Ich hab’ noch was zu erledigen, Homper. Du warst ein armer Narr. Ich hatte wahrlich ein leichtes Spiel mit dir‹‹, raunte Áris voller Bösartigkeit und Hass in seiner Stimme.
Dann zielte er erneut auf den Hinterkopf des am ganzen Körper zitternden Homper. Der kreischte und schluchzte nun wie eine Hyäne und flehte darum, am Leben gelassen zu werden. Doch Áris drückte erneut ab und diesmal traf er.
Er blickte in diesem Bruchteil einer Sekunde genau hin, als Michael Hompers Kopf getroffen wurde. Die Zelle wurde sofort übersät mit Blut und Teilen des Gehirns.
Langsam bahnte sich das dunkelrote Blut seinen Weg die Wände hinab Richtung Steinboden. Áris steckte die Waffe in die linke Tasche seines Häftlingsanzugs.
››Ein Jammer‹‹, meinte er sanft und beugte sich dann über den leblosen Körper von Homper, um ihm dessen zum Teil ebenfalls blutbefleckte Dienstkleidung auszuziehen.
Immer wieder hatte er dabei für Momente das Flehen und Röcheln von Homper in den Ohren, während er sich schnell Kleidungsstück für Kleidungsstück umzog.
››Das ist für die verlorene Zeit, Hurensohn‹‹, meinte er und trat noch einmal fest gegen Hompers Kopf.
Dies erzeugte ein ekelhaftes Geräusch und Áris Sorbotas begann laut zu lachen.
››Verbrenn’ in der Hölle, Bastard!‹‹
Zwei Minuten später stand er vor der Polizeiwache des kleinen Ortes nahe Hitchten und rückte sich zufrieden die Dienstmütze zurecht. Dann zündete er sich eine der letzten Zigaretten aus Hompers Packung an und nahm immer wieder längere Züge an dieser.
››Nun ist die Zeit bald gekommen‹‹, sagte er sich selbst lächelnd, sah sich nur noch einmal zu beiden Seiten, nicht jedoch zum Gebäudekomplex der kleinen Wache um, und setzte sich dann die Zigarette von sich schnippend in Bewegung.
In der Tat, er war ein freier Mann und alles hatte seltsam einfach funktioniert. Selbstverständlich war sich Áris darüber bewusst, dass die Polizeiwache Traplehood gegen die Vorschrift verstoßen hatte, welche besagte, dass stets zwei Beamte anwesend zu sein hatten und schon gar nicht ein einzelner Wärter in die Zelle eines Gefangenen durfte.
Das mühsame Aufbauen des Vertrauens zwischen Homper und ihm – dem Mann, der nach dem zweifachen Mord, was beileibe nur einen Bruchteil der von ihm begangenen Tötungen ausmachte, vor über dreißig Tagen hier in der Zelle bis heute auf das Urteil ausgeharrt hatte – war tatsächlich belohnt worden.
Töten bereitete Áris Sorbotas, dem achtundvierzigjährigen früheren Hausmeister, nichts weiter als größte Freude. Und nun, da der Winter ihm leichte Schneeflocken entgegen wehte, da hatte er ein großes Ziel, sah einen Namen, der vor seinen Augen immer wieder schnell und unregelmäßig rot aufleuchtete.
Er verspürte großen Hass und bemerkte den gnadenlosen Hunger in sich…

Ratlos

Lenny hatte sehr schlechte Laune, denn wieder einmal schien Jones Figurato alles perfekt gemacht zu haben. Dieser Mistkerl lernte schnell und seit er zuletzt neun Monate eingesessen hatte, hatten sie ihm keine weiteren Taten nachweisen können, welche er Lennys Meinung nach begangen hatte.
Sie hatten den Tabakladen von Figuratos Bruder mitsamt Alec Figurato zwecks eines Verhörs dieses Typen längst verlassen und nun saß er in seinem Büro, welches wie immer schlecht belüftet war.
Er konnte nichts weiter unternehmen, als den jüngsten Fall auch weiterhin als nicht abgeschlossen zu betrachten. Ihm war durchaus bewusst, wie beschissen die Lage derzeit war. Doch diesmal würde er Figurato nicht so einfach davonkommen lassen. Dieser Schurke ließ sie alle lächerlich aussehen, was der hauptsächliche Grund für Lennys überaus grauenhafte Laune war. Sicher: Auch ihm war bewusst, dass er sich nicht selten hatte schmieren lassen von diesem Ekelpaket Jones Figurato. Aber das war etwas anderes. Wenn Geld geflossen war – und davon nicht zu wenig –, dann waren die begangenen Taten weitaus weniger brutal gewesen. Aber das hier war eine andere Liga.
An diesem Samstagnachmittag um kurz nach fünf Uhr bat ihn sein Vorgesetzter in dessen Büro. Mit sehr unbehaglichem Gefühl und noch immer diese große Enttäuschung verspürend machte sich Lenny auf, um wenig später aus seinem Büro zu verschwinden und den kargen langen Gang entlang zu gehen, um dann das Büro von Fuller zu betreten.
››Nimm Platz, Lenny‹‹, meinte Samuel Fuller, der Vorgesetzte mit der runzeligen Stirn und dem ersten Anfall grauen Haares.
Lenny konnte Samuel Fuller nicht besonders gut leiden und er hatte niemals versucht, dies ihm gegenüber zu verheimlichen. Seltsamerweise jedoch schien dies für Fuller kein Problem darzustellen. Wahrscheinlich arbeitete er lieber mit ehrlichen Menschen zusammen.
Samuel Fuller strich mit der rechten Hand über seinen teuren Schreibtisch, welcher erst wenige Wochen in seinem großen Büro stand. Er grinste Lenny mit einem gekünstelten Lächeln zu und wirkte ausgesprochen verärgert.
Lenny hatte sofort erkannt, dass irgendetwas Besorgniserregendes geschehen sein musste. Er hoffte, Fuller möge ihn an diesem verschneiten Samstagnachmittag nicht auf den jüngsten Mord im Hinterzimmer von Figuratos Tabakladen ansprechen, aber selbstverständlich tat ihm der diesen Gefallen nicht.
››Wie kommst du in der ›Figurato‹-Sache voran?‹‹ kamen die Worte schnell aus Fullers schmalem Mund geschossen.
Er strich sich durch sein kurzgeschorenes Haar und tippte dann mit den Fingern auf die Platte des Schreibtisches.
Lenny war danach, Samuel Fuller einen festen Schlag in dessen Gesicht zu verpassen.
Stattdessen antwortete er leicht gereizt klingend: ››Samuel, du weißt doch, dieser Figurato macht seine Sache verdammt gut. Er hält uns zum Narren. Aber glaub’ mir, ich werd’ mir den Pizzafresser schnappen.‹‹
Lennys Wut wurde immer unbeschreiblicher. Samuel Fuller inspizierte Pinkerflobble genau und nickte dann wenig zufrieden dreinblickend.
››Halt’ dich ran, Lenny! Du weißt, was die Medien mit uns beim letzten Mal veranstaltet haben. Diese Scheiße darf sich nicht wiederholen. Nun zu meinem Anliegen…‹‹, begann er.
Lenny blickte seinen Vorgesetzten gespannt und von nahezu kochender Wut begleitet an und verspürte zudem plötzlich großen Hunger.
Fuller schien nicht zu wissen, wie er seine Neuigkeit verkünden sollte. Er erhob sich und drehte sich zum Fenster um.
››Ein Zwischenfall hat sich ereignet, Lenny. Und zwar kein sehr angenehmer. Sagt dir der Name Áris Sorbotas noch was? Klingelt‘s da bei dir?‹‹ fragte er und wandte sich wieder Lenny zu.
Der hatte den Namen beiläufig bei einer der letzten Dienstbesprechungen aufgeschnappt, konnte ihn jedoch nicht genau einordnen.
››Hilf mir auf die Sprünge‹‹, bat er.
Samuel Fuller marschierte um seinen Schreibtisch und trat dann genau neben Lenny.
››Dieser Bursche war vorübergehend in Traplehood in Zwangshaft. Er hat zwei Morde begangen und ist aus diesem Grund bis zu einer Gerichtsverhandlung, welche nächste Woche stattfinden sollte, in der Polizeiwache Traplehood unter größter Aufsicht festgehalten worden.‹‹
Lenny unterbrach seinen Vorgesetzten. Ihm fiel auf, dass Fuller irgendwie Ähnlichkeit mit dem Typen aus dem Horrorfilm hatte, den er am Abend zuvor daheim gesehen hatte. Der Mann in dem Film hatte mit einem bestialischen Grinsen im Gesicht und einer Kettensäge in einer Kirche alles zersägt, was ihm in den Weg gekommen war. Das waren nicht nur leblose Gegenstände gewesen. Etwas schaudernd schob er die Erinnerung an den ziemlich miesen Streifen zur Seite.
››Weshalb sagst du, dass er gefangen gehalten wurde? Was ist geschehen?‹‹
Samuel Fullers Miene verfinsterte sich.
››Nun, dazu komme ich jetzt. Sein Anwalt hat viel Druck ausgeübt. Wir haben ein Hintertürchen gefunden, um diesen Mistkerl bis zur Verhandlung im Gefängnis zu verwahren. Da war er auch, zumindest bis heute. Nun ist das Mistviech ausgebrochen. Hat einen Wärter ziemlich übel fertiggemacht. Er muss sich dessen Vertrauen erschlichen haben. Jedenfalls hätte der Wärter niemals alleine in die Zelle gehen dürfen. Tja… Nun singt er Arien mit den Engeln.‹‹
Lenny sah seinen Vorgesetzten mit entsetzten Augen an. Auf ihn schien eine lange Arbeitsnacht zuzukommen.
››Der Kerl ist extrem gefährlich. Wir haben alles eingeleitet, um diesen Typen so schnell wie möglich dorthin zu befördern, wo er hingehört. Die Scheiße wird auf allen Kanälen ausgestrahlt, jede Stunde. Das ganze verfluchte Internet ist voll von nach Sensation hechelndem Schwachsinn. Lenny, aus Sorbotas’ Akten ergibt sich ein seltsamer Zufall, weswegen ich dir all den ärgerlichen Mist persönlich mitteilen wollte.‹‹
Samuel Fuller blickte Lenny eindringlich an. Er bemerkte, dass dieser wohl sehr an der am Morgen im Tabakladen entdeckten Schweinerei zu knabbern hatte.
››Was für einer, Samuel?‹‹
Er benutzte den Vornamen seines Vorgesetzten nicht gerne, irgendwann jedoch hatten sie sich darauf geeinigt.
››Der Zufall, von dem ich spreche, ist der, dass dieser Bastard Beziehungen zu einem dir altbekannten Wichser pflegt.‹‹
Wieder dieser eindringliche und prüfende Blick.
››Zu wem?‹‹ brachte Lenny zögernd hervor, wusste jedoch die Antwort.
Fuller konnte Lennys Vorahnung in dessen Gesicht ausmachen.
››Ganz recht. Figurato und Sorbotas. Diese beiden Höllenhunde kennen sich schon seit etlichen Jahren. Haben einige miese Dinger zusammen abgezogen, diese durchgedrehten Psychopathen. Früher oder später wird dieser Hurensohn sicherlich Jones Figurato aufsuchen. Und du haftest dich mit Alan an seine Fersen!‹‹
Mit diesen Worten bedeutete Fuller seinem Gegenüber, ihn nun wieder alleine zu lassen.
Ratlos und wütend verließ Lenny das Büro von Fuller und wünschte sich, niemals diesen verfluchten Beruf gewählt zu haben.

Áris Sorbotas

Áris Sorbotas konnte noch immer nicht glauben, dass ihm die Flucht aus der Polizeiwache Traplehood derart leicht gemacht worden war. Der Tag neigte sich seinem Ende entgegen und er wusste, dass längst nach ihm gefahndet wurde. Aus diesem Grund hatte sich Áris nur sehr kurz dem wunderbaren Gefühl der Freiheit hingegeben und schon bald damit begonnen, Pläne zu schmieden, um unerkannt zu bleiben.
Für seine Flucht aus Traplehood nutzte er einen Waldweg, welcher schließlich vor der Pforte von Hitchten enden würde. Für den Fußmarsch, welchen er nach dem langen Zellenaufenthalt sehr genoss, benötigte er bis zum Abend dieses Samstags.
Seine Füße schmerzten und großer Hunger hatte ihn heimgesucht. Während seines langen, bedachten und doch sehr riskanten Spaziergangs durch den großen Wald konnte er ab und zu ein lautes Fluchen nicht verhindern.
Áris hatte darauf verzichtet, bereits in Traplehood einen Wagen zu knacken, um mit diesem nach Hitchten zu gelangen. Das Einzige, was für ihn klar gewesen war, war die schnelle Flucht in den dichten und zu dieser recht späten Tageszeit wenig heimgesuchten Wald, welcher sich zwischen Traplehood und Hitchten lange dahin zog. Dieser Wald war ihm alles andere als unbekannt, da er dort bereits in der Vergangenheit gewütet und getötet hatte.
Die Gefährlichkeit, durch den Wald zu marschieren, wo doch nach ihm gesucht wurde, war ihm durchaus bewusst. Er liebte die Gefahr und scheute auch das nahezu wahnsinnige Risiko nicht.
Um kurz nach sieben Uhr am Abend – er hatte mehr als vier Stunden gebraucht, um von Traplehood nach Hitchten zu gelangen – entdeckte er die ersten Häuserreihen am Rande von Hitchten sowie den Hudston-River. So schlich sich Áris bei leichtem Schneefall in der eisigen Kälte dieses Abends in den Randbezirk Harlington.
Dort begab sich der irre Grieche sogleich auf die Suche nach einem Wagen, welchen er wenige Minuten später in einer recht verlassenen Gegend auch fand. Ein Auto zu knacken war für Áris Sorbotas das reinste Kinderspiel. Wenig später saß er im Inneren des Mercedes Benz und rieb sich die kalten Hände. Erst jetzt spürte er, dass er auf dem langen Fußmarsch durch den dichten Wald halb erfroren war und nur langsam wärmte sich sein Körper wieder auf.
Áris wartete ein paar Minuten ab und schloss den Wagen schließlich kurz.
Er musste schleunigst an Geld kommen, um sich vollkommen neu einzukleiden. Außerdem – das wurde ihm schmerzlich bewusst, denn er liebte sie – würde er sich von einem Großteil seiner Haare trennen müssen.
››Entschuldigen Sie?‹‹ fragte Áris, kurz nachdem er den Benz nahe dem Stadtpark abgestellt hatte.
Der alte Mann wandte sich langsam und ängstlich zuckend zu ihm um. Er blickte in die Augen des reinsten Hasses.
››Könnte ich wohl für einige Momente Ihre Aufmerksamkeit erlangen?‹‹ fragte Áris weiter, die Eisenstange, welche er im Kofferraum des Wagens gefunden hatte, noch immer unter der Dienstkleidung versteckend.
››Wie kann ich Ihnen behilflich sein?‹‹ fragte der alte Mann, dessen Augen verbraucht und müde wirkten, zögerlich.
Im Stadtpark war wenig los und diese Tatsache begünstigte die Pläne von Áris Sorbotas. Er spürte, dass der Alte seiner Maskerade einer Wärterkleidung nicht so recht zu trauen schien.
››Sehen Sie, ich habe mich schon immer gefragt, was für ein Gefühl das sein mag, eine Eisenstange in den Rücken geschlagen zu bekommen. Vielleicht können Sie mir danach eine Auskunft rund um diese Frage geben?‹‹
Mit einem wahnsinnigen Lächeln zog er blitzschnell, noch ehe der Alte um Hilfe hätte schreien können, die Eisenstange hervor und schlug auf den Mann ein.
Ein berstendes und lautes Geräusch trat in die Luft. Mit einem Aufschrei der Qual ging der Mann in dem grauen Mantel zu Boden. Áris beeilte sich sehr und schlug ein weiteres Mal fest mit der Eisenstange in den Rücken des zu bemitleidenden Mannes. Dann griff er, nachdem er sich erst nun nach Menschen umgesehen hatte, schnell in die Innentasche des Mantels jenes Mannes, den er soeben totgeknüppelt hatte.
Der erste Teil hatte wunderbar funktioniert. Mit einem letzten Blick auf den Mann und noch immer die Eisenstange in der Hand haltend rannte er schnell dem alten Benz entgegen. Nachdem er die Geldbörse überprüft und sofort mehr als zweihundert Dollar in bar gezählt hatte, setzte er den Wagen erneut in Bewegung. Für ihn war vollkommen klar, was er als nächstes zu erledigen hatte.
Er fuhr durch die Straßen dieses Außenbezirkes von Hitchten und hielt Ausschau nach einem öffentlichen Telefon. Einige Minuten später wählte er, als er beim dritten Telefon erleichtert festgestellt hatte, dass sich dort noch niemand als Andenken den Telefonhörer mit nach Hause genommen hatte, die Nummer einer ihm sehr bekannten Person.

Ein unerwarteter Anruf

Der Butler trat direkt auf Jones zu und sprach: ››Telefon, Mister Figurato.‹‹
Figurato starrte seinen Butler wütend an. Er war stark gereizt.
››Wer, verflucht noch mal, ist dran? Dieses verdammte alte Handy nutze ich überhaupt nicht mehr.‹‹
››Er nennt keinen Namen, hat mir jedoch die große Dringlichkeit verdeutlicht, Sie zu sprechen.‹‹
Wütend nahm Figurato sein altes Mobiltelefon, welches der Butler für ihn aufbewahrte, entgegen.
››Wer ist da, verdammt noch mal?‹‹ fluchte Figurato.
Der Butler entfernte sich auf Jones’ Zeichen hin.
››Du weißt sehr genau, wer dran ist‹‹, erklang eine Stimme am anderen Ende und damit hatte der Anrufer vollkommen Recht.
››Áris?‹‹
Jones war in der Tat ein wenig aus seiner Fassung geraten, auch wenn er den Anruf dieses Typen zumindest erahnt hatte.
››Bingo. Du hast den Jackpot geknackt. Eines kann ich dir versprechen. Nach dem, was du mir angetan hast, hab’ ich mit dir noch eine Rechnung offen. Hast du elender Feigling den Mut, mir deine Adresse zu nennen?‹‹
Figurato grübelte einen Moment und entschied sich dazu, einem Aufeinandertreffen nicht auszuweichen. Hierfür würde Jim von großer Hilfe sein. Er hatte eine Idee, welche ihm gar herrlich gefiel.
››Du wirst erfahren, wo ich anzutreffen bin, oh ja. Aber nicht heute. Dann bist du endlich so, wie ich dich haben möchte: Tot.‹‹
Jones Figurato nannte seinem alten Kumpel eine Adresse, die er ab dem kommenden frühen Morgen im Blickfeld haben solle. Irgendwann werde ein Mann das Haus verlassen – Jones beschrieb ihn näher – und der Sieger ihrer Partie könne bestimmt werden, da jener Mann ihn garantiert zu Figuratos Anwesen führen werde.
Jones Figurato lachte laut auf, auch wenn er sich innerlich eingestand, ein etwas mulmiges Gefühl zu haben. Dennoch würde das Ganze ein herrlicher Spaß werden.
Sorbotas legte ohne ein weiteres Wort auf. Figurato fluchte erneut, dann rief er nach seinem Butler. Nach wenigen Augenblicken tauchte dieser auf und beäugte seinen offenbar recht mürrischen Boss für einen Moment.
››Wie kann ich Ihnen dienen?‹‹ fragte er mit widerlich unterwürfigem Klang in der Stimme.
Jones befahl ihm, den Bodyguards in seinem Auftrag auszurichten, dass Jim Gutamore nun aus dem Haus zu einer Adresse geschafft werden solle.
››Die Idioten sollen ihn bewusstlos schlagen. Dann raus aus dem Raum mit ihm. Ich werde H.W. nachher telefonisch Jims vorübergehendes neues zu Hause mitteilen. Und noch etwas‹‹, ließ Jones Figurato folgen, fuhr sich über sein Gesicht, hielt seinem Gegenüber das Mobiltelefon hin, welches dieser sogleich ergriff, und sah seinen Diener an.
Diese erbärmliche Kreatur, die jederzeit alles tun würde, was er von ihr verlangte.
Jones Figurato ergötzte die eigene Macht auf höchst erregende Weise.

ENDE DER LESEPROBE

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt und dient in dieser knapp 10%igen Fassung lediglich als Leseprobe.

WEITERE PASSAGEN AUS DEN GESCHICHTEN (VON AUSSERHALB DER OBIGEN LESEPROBE ENTNOMMEN):

››Dunkel‹‹
Wie seltsam und grauenvoll diese Welt doch sein konnte. Nicht einmal zwei Tage zuvor hatte er sich überlegt, wie er wieder ein bisschen mehr Action in sein Leben bringen konnte, und nun stellte sich ihm höchstens noch die Frage, ob der Verrückte wohl zum krönenden Abschluss noch auf Jims notdürftiges Grab pissen würde.
Er dachte an Lisa. Ein fester Schlag mit dem Griff der Dienstwaffe. Dann wurde ihm schwarz vor Augen und Jim sackte zu Boden.
Rosen… Liebe… Dornen… Hass.
Er wurde bewusstlos.

››Flucht‹‹

An einem Freitag, den 13. ereignete sich vor einigen Jahren Folgendes…
Alles war nach Plan verlaufen. Doch Zeit, erst einmal tief durchzuatmen, hatten sie nicht. Dicht an dicht saßen sie in dem alten Ford. Ihre Blicke waren ausnahmslos auf die Interstate gerichtet, auf welcher sie im Augenblick entlang rasten, wobei Joe den Wagen lenkte.
Was sie in diesen frühen Morgenstunden dieses Freitags bei sich hatten, waren drei kleine, dunkelbraune Stoffsäcke, deren Inhalt nicht etwa kiloweise nahezu wertlose Kartoffeln waren, sondern exakt zwei Millionen vierhundertachtundfünfzig Tausend siebenhundertachtundachtzig Dollar und sechsundsiebzig Cent.
Aus dem laut eingestellten Radio spielten ihnen die Rolling Stones ihr ››Gimme Shelter‹‹ entgegen. Aller Voraussicht nach hatten sie einen sehr schönen Tag vor sich. Die rötliche Sonne verbreitete in diesen Morgenstunden ihre warmen Strahlen.
››Scheiße, ich kann das alles nicht glauben‹‹, meinte Steve und blickte sich nach links zu Joe um.
Der kaute vor Aufregung mehr auf seiner brennenden Zigarette herum, als dass er sie rauchte. Er erwiderte nichts auf Steves Aussage, empfand jedoch dasselbe Gefühl.
››Kannst ja nachschauen, ob’s wahr ist, oder nicht, wenn wir erst mal die Moneten in den Händen halten‹‹, warf Robert ihm an den Kopf.
Steve Pane drehte sich nicht zu ihm um. Er lauschte vielmehr der Musik der Rolling Stones und versuchte, dadurch etwas zur Ruhe zu kommen.

››Liebst Du?‹‹

Harold erwachte nach elf Uhr. Verwirrt blickte er sich um. Er befand sich in einem großen Büro.
Jener Mann, der ihm bereits am Vortag den Brief überbracht hatte und der gemeinsam mit seinem Begleiter Harold am Treffpunkt abgeholt hatte, saß ihm gegenüber und beobachtete den Gast seltsam eindringlich.
››Guten Tag, Harold‹‹, sagte er erfreut.
››Was mache ich hier?‹‹ fragte Harold und betrachtete seinen Gegenüber mit einem Gesichtsausdruck voller Fragezeichen.
››Nachdem wir uns bereits zweimal trafen, wurde mir meine Unhöflichkeit erst vorhin so recht bewusst. Bitte entschuldigen Sie das Versäumnis, mich Ihnen nicht früher vorgestellt zu haben. Mein Name ist Andrew Trontschew. Ich darf Sie herzlich hier im Anwesen von Thaddäus Bartholomäus Fitzgerald, Ihrem Gastgeber, begrüßen. Er wird Sie in wenigen Momenten empfangen.‹‹
Der kleine Mann sah sich Harold genau an und nahm seinen Blick nicht eine Sekunde von ihm. Und er blinzelte nicht. Zuvor war diese Seltsamkeit Harold noch nicht aufgefallen, nun jedoch trat diese Tatsache erschreckend klar hervor und erschreckte ihn zutiefst.

››Rache‹‹

Das Haus stand mitten am Atlantik. Alle munkelten über eine scheinbare Wahrheit rund um jenes Gebäude, doch keiner hatte die leiseste Ahnung, was dort wirklich vor sich ging.
Wahrlich, als der alte Bewohner in seinem Suff die Frau dreizehn Mal gegen das Geländer der Wendeltreppe ins erste Stockwerk geschmissen und totgeschlagen hatte, kehrte für kurze Zeit Stille ein. Doch gesprächig, wie die Bewohner der kleinen Ortschaft seit eh und je waren, hielt diese von Ohnmacht begleitete Stille nicht ewig an. Wie eine bösartige Seuche, ein nagender Virus, klebte diese Gesprächigkeit an ihnen und kam fast einem verteufelten Fluch gleich.
Der Mann hatte sich nach jener Tat in die für ihn tödliche Badewanne begeben. Seine Hand hatte er sich zuvor in weiser Voraussicht abgehackt.
Blutverschmiert hatte er mit seiner noch vorhandenen linken Hand diesen letzten Fluch an die weißlichen kleinen Kacheln geschrieben und dann seiner toten Frau nahe dem Geländer einen letzten Blick zugeworfen. Damals hatte ihn die Trauer während jenem letzten Anblick des toten Körpers überfallen. Er hatte sie aus Liebe getötet.

››Stuff‹‹

Keiner von ihnen sprach auch nur ein Wort. Diese Stille hielt nun bereits seit über zehn scheinbar ewigen Minuten an. Aus einem unerklärlichen Grund wollte keiner der vier diese seltsame und gespenstisch erscheinende Stille unterbrechen.
Sie sahen sich an und wussten alle, dass ihnen eine beschwerliche und merkwürdige, eine quälende, peinigende und harte Zeit bevorstand. So waren zumindest ihre zutiefst pessimistischen Vermutungen an diesem erst kürzlich angebrochenen neuen Tag.
Das einzige, was die unangenehme Stille – auch ausgelöst durch Macht- und absolute Ratlosigkeit – unterbrach, war das Ticken eines alten vergoldeten Weckers aus den 60er Jahren.
Keiner von ihnen wohnte in diesem zweistöckigen großen Einfamilienhaus, in welchem eine Mahagoni-hölzerne Treppe in die oberen Stockwerke führte.
Das ungnädige und beständige Ticken missfiel ihnen allen nahezu im gleichen Maße. Die alte, kitschig erscheinende Stehlampe beschenkte die vier nur sehr spärlich mit Licht, weswegen eine seltsame Mischung zwischen hell und dunkel in dem großen hohen Raum vorherrschte.
Vor wenigen Minuten hatte das Telefon bereits zum dritten Mal im Verlaufe dieser noch sehr jungen Vollmondnacht geklingelt. Das Klingeln war hässlich grell und widerlich in ihrer aller Ohren erschienen. Sie hatten nicht an den Apparat gehen können. Dazu fehlten ihnen, in einer Reihe gegen die weiße Wand gelehnt, die Möglichkeiten.
Keiner von ihnen war gefesselt oder in sonstiger Weise unfreiwillig daran gehindert worden, den Hörer des alten Telefons abzunehmen. Der einzige Grund, der sie davon abhielt, war die große und tief in ihnen allen festsitzende Angst.

››Last Days‹‹

Der Beschluss des Weltuntergangs wurde am zweiten Juli 2032 nach mehrwöchigen harten und zermürbenden Diskussionen einstimmig für den vierten Juli 2033 beschlossen. Die Beratungen waren zäh und zogen sich, als für die Menschheit keine Alternative mehr dazu bestand, über dreißig Tage lang täglich bis spät in die Nacht hin.
Als bekannt wurde, dass tatsächlich das Ende der Menschheit auf der Erde kurz bevorstand und der Entschluss über die Medien an die Bevölkerung weitergegeben wurde, folgten unzählige Massendemonstrationen, sehr viele Anschläge, Selbstmorde und eine bis dato unbekannte, in Anbetracht der düsteren Situation jedoch äußerst logische Massenhysterie.
Doch die Staatsoberhäupter und die Politiker hatten keine Wahl mehr. Gewalt war die wahre Regierung eines jeden Staates und einer jeden Stadt geworden. In jedem einzelnen Land konnte nichts an die Gewalt heranreichen und die Kontinente wurden von kriminellen Vereinigungen überschwemmt, welche die Macht Stück für Stück immer stärker an sich rissen.
Die Staaten und deren führende Oberhäupter und Politiker hatten zu viele Jahre zugesehen, wie immer mehr Organisationen vergleichbar mit Pilzen aus dem Boden schossen, ohne weit reichende Vorbeugungen zu treffen.
Sie erhielten von den teils sehr brutalen und kompromisslosen Organisationen Summen anderer Dimensionen, um eben jene Organisationen und Zusammenschlüsse weiterhin an der Macht bleiben zu lassen. Dadurch waren sie längst zu reinsten Marionetten verkommen.
Die schlimmste Folge war die Bildung der in der gesamten Welt ansässigen Organisation ›CAATW‹. Jene Initialen standen für ›Chaos All Around The World‹.
›NREE257‹ hatte sich durch die Strahlung eines neu entwickelten Bildschirms gebildet, welcher in kürzester Zeit Bestandteil sehr vieler Rechner-Systeme und so gut wie aller Mobiltelefone geworden war.

››Ein Jahr‹‹

Aber sie beachteten ihn nicht im Geringsten, als stünde er gar nicht bei ihnen. Charles Tromblington versuchte neben ihnen stehend, ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, was ihm jedoch nicht gelang. Stattdessen hörte er Andrew – einen seiner besten Freunde – die anderen fragen, wo Charles denn wieder bleibe.
Charles Tromblington trat etwas verwirrt direkt vor Andrew, doch in dessen Gesicht war daraufhin keine Reaktion zu erkennen. Er wirkte ein wenig angespannt, noch immer stand ihm die Frage nach dem Verbleib von Charles ins Gesicht geschrieben.
››Hier bin ich doch, Leute‹‹, sagte Charles durchaus irritiert […]

››Eine seltsame Unterhaltung‹‹

Schulz (etwas enttäuscht): ››Nun, weshalb nicht eine kleine Unterhaltung?‹‹
Herr Schulz formt ein Dach mit seinen Fingern.
Van der Missen: ››Wenn Sie sich über etwas Sinnvolles mit mir unterhalten wollen, habe ich nichts dagegen einzuwenden.‹‹
Schulz (irritiert): ››Was schlagen Sie vor?‹‹
Van der Missen: ››Sie wollten sich unterhalten, Herr Schulz. Nicht ich. Schlagen Sie etwas Sinnvolles vor.‹‹
Schulz: ››Ich habe keine Ahnung. Fällt Ihnen nicht etwas ein?‹‹
Van der Missen streicht sich erneut durch die Haare und schüttelt anschließend den Kopf.

››Stille‹‹

Mein Name ist ohne jede Bedeutung. Sie kennen mich nicht. Ich kritzle diese verdammten Zeilen zu Papier, weil ich erzählen und loswerden muss. Was ich erlebt habe und noch immer erlebe, das verlangt danach, von mir aufgeschrieben zu werden. Aber eigentlich weiß ich überhaupt nicht, was los ist. Ich kann nur hoffen, dass irgendjemand irgendwann diese beschissenen Zeilen findet. Denn das würde bedeuten, dass das Leben auf der Erde wieder stattfindet.
Meine Gedanken sind unklar und wirr. Inzwischen kann ich mich kaum noch konzentrieren. Diese Anstrengung auf mich zu nehmen, irgendwem irgendwie zu vermitteln, was hier geschieht (ich weiß gar nicht genau, was das ist), strengt mich sehr an. Hätten Sie durchgemacht, was ich erlebe, würden Sie mich, verdammt noch mal, verstehen.
Ich spüre das Verlangen, niederzuschreiben, was hinter mir liegt und noch immer geschieht. Vermutlich werde ich sehr bald tot sein, aber das weiß ich nicht. Nur so eine verfluchte Vermutung.
Diese schreckliche Stille. Ich glaube nicht, dass ich diese entsetzliche Leere an nicht vorhandenen Geräuschen um mich herum und diese Einsamkeit noch lange ertragen kann. Und ich fühle mich schwach.
Seit vielen Tagen wandere ich herum. Ich bin alleine. Nirgends sind andere Menschen, so sehr ich mich auch nach ihnen sehne. Wie ausgelöscht oder heraus radiert.

››Die kalte Nacht‹‹

Das Zuklicken der Türe aus dem Erdgeschoß war trotz der eingeschalteten Musikanlage leise zu hören…
››Wir kriegen wohl doch noch Besuch‹‹, gab Lukas freudig von sich.
››Sag mal, …‹‹, meinte Kurt, ››…was sollte denn das mit dem Schild unten an der Türe? Und was ist denn mit dem Scheißlicht?‹‹
Die Schritte auf dem klebrigen Boden des Erdgeschosses konnte man deutlich hören. Die Person musste feste Schuhe anhaben. Lukas blickte Kurt fragend an. Die anderen sahen ihn teilweise gespannt, teilweise aber auch gleichgültig und uninteressiert an.
››Was für ein Schild denn? Keine Ahnung wegen dem Licht, nerv’ doch nicht so! Interessiert doch niemanden, das Licht. Wir wollen dir, nett wie wir sind, tatsächlich unsere hässlichen Fratzen ersparen.‹‹
Die Person hatte die Treppenstufen erreicht.
It’s the end of the world, gab der Sänger von R.E.M. durch die Boxen zu verstehen. Das Knacksen und Rauschen der rechten Box war inzwischen stärker geworden.
››Na, draußen vor der Tür. Da steht drauf, heute wäre wegen irgendwas geschlossen. War auch kein Licht an. Ich wär’ fast gleich wieder abgezischt.‹‹
››Was? Und jetzt scheiß endlich auf dein verdammtes Licht!‹‹
Lukas gab einen regelrechten Schrei von sich. Dann blickte er die drei anderen fordernd an.
››Hey! Guck’ uns nicht so an! Wir haben das nicht gemacht und ich hab’ das Schild auch noch nicht…‹‹
Carlos stockte. Er hatte seinen Blick nun von Lukas abgewandt und blickte in Richtung der Türe, wo noch einige kleine Pfützen von der nassen Jacke von Kurt zu sehen waren. Sie waren jedoch nicht das Ziel von Carlos’ irritiertem Blick.
Nun sahen nach und nach auch die anderen zur Türe.
Es kam selten vor, dass ein älterer Mensch sich hier im Jugendhaus blicken ließ. Dieser große schwarzhaarige Mann mochte Mitte vierzig sein. Interessiert blickte er die fünf Jugendlichen an.

››Eine kleine und kurze Reise durch einen Ausschnitt der Musikwelt eines Musikliebhabers‹‹

Musik ist Leben und wundervoll. Sie reißt Leere hinweg, als wäre diese nie da gewesen. Musik belebt, Musik ist Liebe. Musik ist Energie, welche einen vermag, aus dem tiefsten Loch herauszuziehen. Ich liebe die Musik. So sehr, dass ich dafür keine Worte finde.
Ein Leben ohne die Musik ist für mich genauso unmöglich, wie ein Leben ohne das Trinken und das Essen.
Ich bin glücklich, dass mir in manch einem Lied das Zehntel einer Sekunde genügt, durch welches ein Song unsterblich und unbeschreiblich wird. Das Leben und die Musik: Beides gehört für mich zusammen. Musik vermag so viel zu tun, ist viel mehr als Unterhaltung.
Musik lässt träumen, erschafft Hoffnungen, spendet Trost, schenkt mir gute Laune, wo da zuvor schlechte war. Musik ist für mich das, was für andere Drogen sind. Ja, Musik selbst ist für mich eine Droge, ohne welche ich nicht leben möchte. Meist entdecke ich bestimmte Bands oder Arten von Musik erst sehr spät. Häufig durch Freunde, Bekannte oder die eigene Familie.
Preview zu einem Roman mit dem Titel ››FREI‹‹ (Bonus)

Der Auftrag, den sie auszuführen haben würden, grub sich in seinen Gedanken gnadenlos und radikal vor alles andere.
Über den konkreten Inhalt des Auftrags hatte sie ›Der Herr‹ – so nannten sie jenen Mann, dessen Name ihnen nicht bekannt war – per Telepathie bisher noch überhaupt nicht in Kenntnis gesetzt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er ihnen mit Ausnahme einer Person lediglich erste wage Details über Treffpunkte in ihre Köpfe gesendet.
Die Boxen ließen weiterhin die Stones mit ihrem ››Paint It, black‹‹ in Richtung seiner Ohren entkommen. Ein leichter Wind hob zwei der ins Zimmer gewehten Baumblätter, die mitten im Raum gelegen hatten, langsam an. Sie schwebten und waren frei.
Er liebte die Musik der Stones, liebte einfach jede Art von Musik. Er besaß keine Kontrolle mehr über sich selbst. Die Stones waren fertig, er ebenfalls.
Nun dröhnte der Sound von Iggy Pop aus den Lautsprechern. Das Ticken des Weckers wurde wieder lauter. Seine Wahrnehmung kollabierte. Er fühlte sich, als würden ihn sanfte Wellen davon treiben. Ihm wurde übel.
TICK. TICK.
Seine irritierten Augen wanderten durch das Schwarz des Raumes. Die Wellen kannten kein Erbarmen. Immer stärker rissen sie ihn mit.
Was geschah mit den Holzdielen am Boden? Taten sich vor ihm nicht zwei Dielen in der Mitte auf? Gaben sie nicht einen tiefen Schacht – einen dunklen Abgrund – frei? Er fühlte sich schutzlos und empfand mit einem Mal Angst.
Iggy Pop hatte sein Lied beendet und die Seite der Kassette war fertig abgespielt. Rauschen. Waren das die Wellen?
TICK. TICK.
Schläge von innen gegen den Kopf. Schwindelgefühle. Zittern. Er musste den Auftrag des ›Herrn‹ erfüllen, auch wenn er den noch gar nicht kannte. Er fühlte das Rauschen des Blutes und empfand dies als im Moment ziemlich unheimlich. Draußen lachte ein Kind mit einer hellen und hohen kreischenden Stimme.
(AUFTRAG!!) hämmerte ›Der Herr‹ – Dr. Loris Andretto – in seinem Kopf.
Das trieb ihn an. Er wollte aufstehen und davonrennen. Fort von diesem Ort. Ein Klicken. Der Kassettenrecorder wechselte endlich die Seite des Tapes und erste Fetzen eines weiteren Songs – ››Break on through (to the other Side)‹‹ von den Doors – erklangen.
Er fragte sich, ob er eben etwas gesagt hatte, oder aber nicht. War das ›Der Herr‹ gewesen? Ein Donnerschlag, dann knarrte der Boden leicht, die Dielenbretter schienen davonzuschleichen. Sie wanderten sanft zur gegenüberliegenden Wand hin, als wollten sie durch sie hindurch brechen. Der Donnerschlag war die letzte Warnung gewesen, da war er sich sicher.

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Auszüge aus dem Buch ››8‹‹ (Untertitel ››Stories‹‹) von Linus Lumpitzsch

Auszüge aus dem Buch ››8‹‹ (Untertitel ››Stories‹‹) von Linus Lumpitzsch
››DAS HAUS‹‹
Sie alle blieben wie angewurzelt an der Stelle stehen, an der sie sich in dem Augenblick aufgehalten hatten, als sie das Klock Klock Klock gehört hatten. Noch immer waren diese Auftritte – jene langsamen aber zielstrebigen Schritte – auf dem Holzboden des Dachgeschosses zu hören.
Keiner sagte etwas. Sie alle blickten gespannt zu den Holztreppenstufen, die sie sehen konnten. Sie führten von dem Dachboden zu ihnen herunter ins erste Stockwerk. Die Situation stellte sich so dar, als warteten sie direkt darauf, jene Person zu empfangen.
Nun waren keine Schritte mehr zu hören. Wer immer dort war, musste bei den Holztreppenstufen angelangt sein…
Alle blieben stumm, ihrer aller Atem stockte und sie blickten gespannt auf den oberen Treppenabsatz, den sie gerade noch sehen konnten. Gleich musste dort jemand die Treppenstufe betreten. Das Auftreten ertönte wieder, aber keiner konnte glauben, was sich ihm nun offenbarte. Die Holztreppenstufen bogen sich leicht und knarrten. So, als stiege jemand diese Treppe hinab. Kleine Abdrücke bildeten sich im Sandstaub, aber niemand war zu sehen.

››SMOKING MAN AND SHOOTED LOSERS‹‹
Irgendwann meinte ein Kinobesitzer: ››Wenn ich’s mir so recht überlege, gibt es diese Reihe wohl nicht mehr, Kinder. Das war damals eine Pfundstrilogie. Ich weiß noch, wie begeistert ich mir diese Western angesehen habe. Aber ihr wart damals noch kaum auf der Welt …‹‹
Damit stahl er ihnen einen Großteil jener Hoffnung, die sie wieder entwickelt hatten. Diese Suche war zu ihrer Lebensaufgabe geworden. Nichts war für die beiden so wichtig wie ihr Ziel, endlich diese Trilogie aufzutreiben.
Als sie das Kino wieder verlassen hatten, meinte Emilio genervt: ››Das ist absoluter Dreck. Wir werden diese Filme nicht finden, auch nicht, wenn ich der Präsident der Vereinigten Staaten werde.‹‹
Tom hatte ihn angesehen und beim Gedanken daran, Emilio würde Präsident werden, mussten beide lachen. Das war ungefähr so, als werde ein ernster und bissiger Schuldirektor Komiker. Das eine war einfach nicht mit dem anderen zu vereinigen.
Emilio hatte viele gute Eigenschaften an sich. Eine davon war der Optimismus, der die beiden erst hatte weitersuchen lassen. So wurde die Suche wieder verstärkt und in allen Film-Lexika nachgelesen, in denen etwas über diese Trilogie stehen konnte. Das Verlangen danach, diese Filmreihe endlich in den Händen halten und dann anschauen zu können, verließ die beiden nicht.

››DAS FOTO‹‹
Seine Pupillen weiteten sich, während er das Bild lange fragend und vollkommen irritiert anstarrte. Emilie war aufgestanden, um sich etwas zu knabbern zu holen und bekam deshalb von seiner merkwürdigen Reaktion überhaupt nichts mit.
››Was ist eigentlich mit Liv und Billy? Wollten die nicht vorbeischauen, sobald wir wieder da sind?‹‹ hörte er sie weit, weit entfernt fragen. Eine Schranktüre schlug zu. Er war sehr auf das Bild fixiert und erst im Nachhinein in der Lage gewesen, bewusst ihre Worte aufzunehmen. Den Blick konnte er nicht von dem Foto abwenden, das ihn fesselte. Schließlich ließ er es mit zittrigen Händen doch in seiner Hosentasche verschwinden.

Der Chinese lachte schallend und klopfte sich auf seine Schenkel. Sein kleines Zimmer war trotz geöffnetem Fenster vollkommen verraucht. ››Es hat funktionielt‹‹, freute er sich. Vor Lachen vibrierte sein zierlicher Körper.

››EIN ANDERES LEBEN‹‹
››Jad. Wie wäre es, wenn du jetzt heimgehst? Ich sehe mir die Post an.‹‹ Wieder verstand Smooder nichts mehr. Normalerweise hätte Albert ihm jetzt ein Bier angeboten und die beiden hätten sich auf der Terrasse über die neuesten schlechten Filme lustig gemacht. Oder sie hätten auf Alberts großem Sportgelände eine Runde Tennis gespielt. Aber Weekles derzeitiges Verhalten war ihm völlig fremd. So war Al, wie ihn die meisten einfach nur nannten, niemals gewesen. Er war seltsam nachdenklich.
››Wie du meinst. Ich hoffe, du nimmst dir das mit Lisa nicht so zu Herzen. Übrigens sollst du nächsten Dienstag in der ›Tonightshow‹ auftreten. Aber da sprechen wir dann morgen darüber.‹‹
Eigentlich konnte Jad froh sein, nach einer Stunde wieder heimgehen zu können. Das wäre er auch gewesen, wenn ihm nicht das stark veränderte Verhalten von Al aufgefallen wäre.
Wie konnte ein millionenschwer reicher Mensch derart unglücklich sein?
››Okay, Jad. Wir sehen uns dann morgen‹‹, grinste Al ihm mit einem gespielten und unechten Lächeln entgegen, als wolle er verhindern, dass sich Jad am Abend Gedanken machen würde. Albert setzte sich wieder in seinen Sessel und blickte nervös und mit stark zusammengekniffenen Augen nachdenklich vor sich hin.
Er wollte an diesem Tag nur noch seine Ruhe haben. Einige Male klingelte das Telefon und er ließ es stets weiterklingeln, bis der Anrufer die Hoffnung aufgab, ihn an den Hörer zu bekommen.

››FREUNDSCHAFT UND EINSAMKEIT‹‹
Er schmiss sofort das Buch zur Seite, als ich ihm grinsend die Hülle des Films hinhielt, den ich dabei hatte. Sie sollten wissen, dass wir in jenem Sommer sehr viel über ›Die 8 Minuten der Stille‹ gesprochen hatten. Es dauerte nicht lange, und er…

Entschuldigen Sie mich. Ich benötige eine kurze Pause. Ich werde eine Zigarette rauchen und meine Hände ausschütteln. Außerdem beginnt das Ganze nun bald … beinahe unheimlich zu werden.

Wir schlossen also diesen Videorecorder an den Fernseher an, schwuppdiwupp war alles bereit und wir sahen uns den Film an. Serafin war begeistert. Für ihn war das damals etwas total Neues, daheim zu jeder Zeit einen beliebigen Film anzusehen. Das muss man sich mal vorstellen! So ändert sich die Zeit…
An diesem Nachmittag brachte ich alles ins Rollen und heute wäre ich froh, wenn ich das nicht getan hätte.

››MISTER DEMAGE‹‹
In den letzten Tagen hatte sein Sender nur mit äußerst wenigen sensationellen Exklusivaufnahmen aufwarten können. Und dafür waren Vanessa, Phil, Steve und Axl zuständig. Oft genug, wenn auch nicht zuletzt, in Zusammenarbeit mit Mister Demage…
Vanessa Tyler hielt den Zeigefinger vor den Mund.
››Ja, ja‹‹, gab Phil von sich und stieg nach ihr die Treppenstufen des Hauses in den Keller hinab.
Dort hatte gerade eben Mister Demage/Frank Allero die letzten Vorkehrungen für sein neuestes Prachtwerk vollendet und sah nun auf die Uhr. Es war beinahe zehn Uhr siebzehn.

In knapp dreizehn Minuten würde das Haus mehr oder weniger dem Erdboden gleichgemacht werden. Das Filmteam ließ noch immer auf sich warten…
Vanessa erblickte das aufgemalte ›D‹ an der Türe. Das war das Zeichen von Demage, dass er sich in dem Raum aufhielt. Ihm war bewusst, dass er damit ein hohes Risiko einging. All der Spaß war es ihm jedoch wert, vielleicht doch einmal in den Knast einzufahren. Außerdem hatte er eine Waffe bei sich.
Vanessa klopfte an.
››Ihr könnt reinkommen.‹‹

››HANDEL‹‹
Dann klingelte das Telefon…
Nur sehr langsam nahm er wieder alles wahr. Selbst die tristen Wände, welche ihn in diesem Zimmer seit Jahren umgaben, erschienen ihm heute fremd und unheimlich.
Fäden des Traumes kehrten zurück in seinen Kopf und er sah dies alles als etwas vollkommen Realistisches. Es machte ihm Angst, woran selbst die nun einkehrende Beruhigung durch den Anblick seines vertrauten Zimmers nichts ändern konnte. Seine Knie zitterten, denn ein sich tief eingrabendes Gefühl der Angst hatte sich ausgebreitet. Auch die vertrautesten Gegenstände seines Zimmers kamen ihm bedrohlich und feindlich gesinnt vor.
Noch immer nahm er das Klingeln des Telefons nicht bewusst wahr. Mehr erschien ihm der widerliche und quälende Ton wie ein Lied, welches weit entfernt abgespielt wurde. Dann endlich orientierte er sich nach dem Klingeln und trat mit unsicheren Schritten dem Telefon entgegen.
Er ergriff den Hörer mit zittrigen und schweißnassen Händen. Zu sehr hatten ihn die Träume geängstigt, welche erst vor kurzer Zeit zu Ende geträumt waren. Nur in seinem Kopf waren sie nach wie vor aktuellste Realität.
Er sagte nichts und wartete nur ab. Dabei konnte er heißeres Atmen am anderen Ende der Leitung hören und spürte, wie sich ihm eine Gänsehaut über den ganzen Körper zog.
››Bist du bereit?‹‹ brachte eine scharfe Stimme hervor.
Er antwortete nicht sofort und benötigte eine ganze Weile, um die Frage wirklich aufnehmen zu können.
››Was?‹‹
››Bist du bereit?‹‹
Er verstand überhaupt nichts und fragte sich, ob er eigentlich wirklich existierte, oder ob er sich in einem ewig langen und simplen Traum einer anderen Person befand. Die Stimme wurde forsch und ungeduldig, aber er spürte nicht einmal dies wirklich. Etwas war mit ihm geschehen. Er konnte sich allerdings keinen Reim darauf machen, was dies denn gewesen sein mochte.
››Ich möchte wissen, ob du bereit bist.‹‹
Er inspizierte genau das große rot-weiße Reklameschild eines sehr bekannten amerikanischen koffeinhaltigen Getränkes. Das Schild hatte er über dem Telefontischchen aufgehängt.
Seine Augen fixierten den schwungvollen Schriftzug.
››Ich habe keine Ahnung, was Sie wollen. Sie haben sich verwählt.‹‹ Mit diesen Worten schmiss er, etwas von Ärger begleitet, den Hörer auf die Gabel. Er betrachtete noch immer das Schildchen, wobei er durch das sichere Gefühl begleitet wurde, dass sich dieser seltsame Mann nicht verwählt hatte. Er spürte, dass es seine Berufung sein musste, dem zu folgen, was der Anrufer von ihm wünschte.
Das Telefon klingelte erneut.
››Was wollen Sie von mir?‹‹ fragte er unsicher und fühlte sich unbehaglich.
››Deine Seele‹‹, antwortete der Anrufer vollkommen ernst und ruhig.

››DUNKELHEIT & SONNENSCHEIN‹‹
Dave Gradies stand noch immer verkrampft vor der Brüstung und blickte steif geradeaus, während er das Geländer fest umklammerte. Er wusste, dass er bald springen würde, ließ mit der rechten Hand das Geländer los und schmiss Augenblicke später die Zigarette hinunter, die sich ohnehin furchtbar schlecht hatte rauchen lassen. Er warf sie dahin, wohin er nicht sehen wollte: in die Tiefe.
Er hielt inne, dachte verzweifelt nach, hatte alles und zugleich nichts in seinen Gedanken, lauschte, schloss für Momente voller Leere die Augen und dachte weiter nach, wartete ab. So verweilte er einige Zeit und bemerkte den Mann nicht sofort, als dieser aus der Türe stieg und das Dach betrat. Der Regen machte diese Geräusche an diesem Tag zunichte.
Langsam und vorsichtig näherte sich Alan. Er hatte keine Wahl. Wenn er nun den Mann auffordern würde, zu ihm zu kommen, würde der sich möglicherweise total aufgelöst, vielleicht auch erschreckt und beschämt, in die Tiefe stürzen. Alan musste sich vorsichtig und abtastend erkenntlich machen. Der junge Mann dort vor dem Geländer musste sich an die Anwesenheit einer anderen Person in dieser für ihn derart intimen Situation gewöhnen können.
Alan McKrigley wählte – recht mutig – die von ihm ›Leise-räuspern-Methode‹ genannte Möglichkeit. Er sah dabei auf den Rücken des Mannes, starrte auf den Mantel, welchen der junge Mann trug.
Dave spürte die Veränderung sofort. Nicht, weil er ein Räuspern gehört hätte. Der Regen ließ selbst diese Geräusche keine zwei Meter vorankommen, fraß sie stattdessen auf. Und das war genau jene Entfernung, die Alan noch von dem jungen Mann trennte. Sein Instinkt teilte ihm die Veränderung mit. So wie man in der Dunkelheit spürte, wenn man nicht alleine war…

Website zum Buch: http://www.hitchten.de/8stories/

Leseprobe zu ››ANGST‹‹, dem Psychothriller von Julius Cyphandrius (Linus Lumpitzsch) (erschienen als E-Book im März 2014, aktualisiert am 7. Juli 2015)

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Hier folgt nun die Leseprobe zu ››ANGST‹‹, dem Psychothriller von Linus Lumpitzsch, veröffentlicht unter dem Pseudonym Julius Cyphandrius (erschienen als E-Book im März 2014, aktualisierte Fassung vom 7. Juli 2015), der bei Amazon im Kindle Store erhältlich ist.

Website des E-Book-Psychothrillers ››ANGST‹‹ in einem neuen Fenster öffnen: http://www.hitchten.de/angst/

JULIUS CYPHANDRIUS | LINUS LUMPITZSCH
››ANGST‹‹ (Leseprobe)
Psycho-Thriller
– Überarbeitete Fassung vom 7. Juli 2015 –

Inhalt
Eine mordende Bestie in Menschengestalt verursacht Angst und Schrecken in Hitchten.
Die Polizisten Billy Blank und Norman Queer – ein wenig planlos, aber humorvoll – versuchen, während sie im Laufe ihrer Ermittlungen einer ganzen Reihe merkwürdiger Menschen begegnen, den Serienmörder zu schnappen, wobei sie aber einerseits vor allem ihren Boss Mortrian Abuzic wütend und immer wütender machen, andererseits dafür sorgen, dass der Mann mit dem kantigen Gesicht Blank & Queer eine kleine Notiz hinterlässt…
››Im Irren eurer Ermittlungen vermögt ihr nicht die Sorgfalt meines Tötens zu erkennen. In euren Versuchen des Beendens dieser wundervollen Taten, welche ich aus Liebe zu Gott vollbringe, erscheint ihr mir als erbärmliche, nicht verstehen wollende Kreaturen der Dummheit. Nehmt den Kampf auf und bereitet mir ein wenig Abwechslung!‹‹
Die Jagd hat begonnen, doch wer ist der Jäger, wer der Gejagte?
››ANGST‹‹ ist ein Psycho-Thriller, der durch einige Prisen Humor und Merkwürdigkeiten bereichert und voller Leidenschaft und Enthusiasmus geschrieben wurde.

Julius Cyphandrius ist ein Pseudonym von Linus Lumpitzsch. Der Autor wurde 1976 geboren und liebt neben dem Erfinden und Schreiben von Geschichten auch das Lesen, die Musik und den Film von ganzem Herzen. Eine Übersicht weiterer Veröffentlichungen ist auf www.hitchten.de sowie www.hitchten.de/8stories/veroeffentlichungenvonlinuslumpitzsch.htm zu finden.

Widmung
Dieser Roman ist Anneke gewidmet.

››I’m still looking for these angels in the snow‹‹
36 Crazyfists, ››Slit Wrist Theory‹‹

Intro

››Fuck, diese Bestie hat schon wieder zugeschlagen‹‹, fluchte Norman Queer.

Der kalt schneidende Wind fraß seine Stimme beinahe auf. Er betrachtete abermals die Leiche, wobei sein Hauptaugenmerk auf die Schnitzerei im Gesicht des Getöteten gerichtet war.

Sein Partner Billy Blank stand ein wenig abseits und schüttelte angewidert den Kopf.

Der hell scheinende Mond warf seinen mystischen Schein mitten in den Park, in welchen sie gerufen worden waren.

››Ein Big Mac. Mann, das wär’s jetzt. Oder, was meinst du?‹‹ lautete die Reaktion von Blank. Er sah seinen Partner eine Weile an und ließ seinen Blick dann durch die Gegend schweifen.

Der Mond beschien den leblosen Körper des Ermordeten, als wolle er ihn präsentieren.

››Was für eine Sauerei‹‹, zürnte Police-Officer Queer weiter, nahm einen langen Zug an seiner filterlosen Zigarette, reagierte jedoch auf die kulinarischen Gelüste von Billy Blank nicht im Geringsten.

Der Kauz am Boden war bereits das dritte Opfer in dieser Woche und Norman Queer nervten die ständigen Weckanrufe mitten in der Nacht. Die billige und graue Digitaluhr an seinem rechten Handgelenk zeigte an, dass es kurz nach drei Uhr am Morgen war.

››Eine verdammt kranke Scheiße ist das, Norman‹‹, meinte sein Kollege Billy Blank und blickte erneut auf das blutverschmierte und total verstümmelte Mordopfer.

Die Mordserie, die sich in letzter Zeit in Hitchten-Süd abspielte, was ein einziger Jammer. Irgendein Irrer schien Rache nehmen zu wollen für irgendeinen Mist.

Norman Queer und sein Partner Billy Blank waren die Idioten, die sich nach Meldung des Fundes einer weiteren Leiche in dieser Mordserie an den entsprechenden Tatort begeben mussten. Diese verfluchte, verdammte, beschissene Serie. Konnte sich der Penner nicht ein anderes Hobby auswählen?

››So langsam kotzt mich diese verdammte Arbeit wirklich an‹‹, meinte Billy Blank, stellte jedoch zugleich ein wenig beschämt fest, dass der Anblick der Leiche nicht allzu viel der Rührung bei ihm hervorrief.

Das Funkgerät im Streifenwagen knisterte.

››Wagen sieben, bitte melden! Was is‘ denn heute wieder los mit euch? Seid ihr von ’nem UFO entführt worden, oder was?‹‹ fragte Clarissa Archer in der Zentrale des Polizeireviers.

››Verdammt, lass uns diesen Pechvogel mal genauer anschauen‹‹, gab Queer von sich, nahm einen weiteren Zug an der Zigarette, bemerkte, dass ihm diese im Augenblick nicht im Geringsten schmeckte und schmiss sie folglich von sich.

››Hat dir der schöne Anblick bisher noch nicht gereicht?‹‹ wurde Billy Blank – nun etwas genervt klingend – los und folgte seinem Partner in Richtung des Getöteten.

Im Lichtkegel der Scheinwerfer des Streifenwagens verging nicht viel Zeit, bis Norman erkannte, dass der mordende Bastard seiner Linie treu geblieben war.

››Verfluchte Scheiße‹‹, brachte Billy Blank stammelnd hervor. Auch wenn ihn der Anblick der Leichen, die er an Tatorten zu Genüge zu begutachten hatte, obwohl er erst seit kurzem bei der Polizei Hitchten an Bord war, normalerweise nicht mehr sonderlich kümmerte, so entsetzte ihn jener dieses Opfers nun doch ebenso sehr, wie das offensichtlich auch bei seinem Kollegen Norman Queer der Fall zu sein schien.

››Gib schon die Scheißmeldung durch‹‹, grummelte Norman genervt und angewidert zugleich. Die bescheuerte Arbeit in dieser Drecksstadt Hitchten und jene ihnen anvertraute Mordserie kotzten ihn zutiefst an.

››Er hat nichts daran geändert. Dieser Typ ist die Ausgeburt der Hölle‹‹, entgegnete Blank. Dann verschwand er in Richtung des Streifenwagens, aus dem ohnehin schon wieder über Funk nach ihnen gefahndet wurde.

Queer beobachtete kurz seinen zweiunddreißigjährigen Kollegen mit der witzigen kurzen Lockenfrisur und wandte sich dann dem jüngsten Opfer zu.

Auch in dieser Novembernacht war der Hinweis anonym in der Zentrale eingegangen. Abermals – wie bei jedem bisherigen Anruf im Zusammenhang mit dieser beschissenen Mordserie – hatte wer auch immer von einem öffentlichen Telefon aus angerufen.

Bei der Leiche handelte es sich auch diesmal – so viel erkannte Norman Queer sofort – um einen ihm bekannten Highschool-Lehrer einer Schule aus dem Süden von Hitchten.

Was war das nur für ein Trauerspiel? Die Lehrer dieser Schule schienen den Tod ebenso anzuziehen, wie das ein Haufen Scheiße mit Fliegen zu tun pflegte.

Seit Wochen hagelte es Tote.

Noch im Oktober – vor zwei Wochen – waren zwei Lehrer tot aufgefunden worden. In dieser Woche nun, nachdem in der letzten ausnahmsweise nur ein Lehrer getötet worden war, hatten sie schon wieder den dritten ermordeten Lehrer vor Augen.

Der Hunger irgendeines kranken Ungeheuers schien sich nun wieder deutlich zu steigern.

Wenn diese Scheiße so weiterging, dachte sich Norman, während er dem eisig schneidenden Wind große Beachtung schenkte, würde die Arbeitslosenquote unter den Lehrern zumindest in dieser Stadt bald bei null Prozent liegen.

››Was für ein Bastard ist das?‹‹ stellte Queer dem Wind jene Frage, welche im Augenblick nicht beantwortet werden konnte.

››Weiß der Teufel. Vielleicht irgendein zutiefst verbitterter Schüler? Tja, da bin ich jedenfalls froh, dass ich mich für diesen Job entschieden hab‘, so verdammt scheiße er auch manchmal ist‹‹, entgegnete Blank, als er wieder auftauchte.

››Ist das also wirklich wieder einer von der Highschool-Süd?‹‹

Norman nickte nur kurz und überlegte im Anschluss daran, ob er sich eine weitere Zigarette anstecken sollte. Er entschied sich dazu, das bleiben zu lassen und sah stattdessen seinen Partner an.

››Bringen wir dieses Trauerspiel hinter uns, Billy. Lass uns diesen verfluchten Tatort absichern und rausfinden, ob unser Freund nicht vielleicht doch unvorsichtig geworden ist und hier irgendwo irgendwas außer ’ner Leiche und ’ner Menge Fragezeichen zurückgelassen hat.‹‹

Wenig begeistert nickte Blank, sagte: ››Weißt du? Manchmal frage ich mich, in welch kranker Welt wir leben‹‹, und begann dann mit seiner Arbeit.

Zur Unterstreichung seiner Aussage blickte er erneut auf das radikal zerschnittene und zudem extrem verstümmelte Gesicht des ehemaligen Lehrers, der in dieser Aufmachung prima und sofort in jedem Gruselkabinett des Grauens hätte anfangen können. Dafür wäre es noch nicht mal notwendig, ihm den offensichtlich abgehackten rechten Arm wieder anzunähen.

Seit die beiden in der vergangenen Woche wegen eines Gesprächs mit allen Lehrern der Highschool-Süd von Hitchten zusammengekommen waren, um über den möglichen Schutz der einzelnen Lehrer zu sprechen, kannte er das Gesicht eines jeden einzelnen von ihnen. Norman Queer war mit einem äußerst guten fotografischen Gedächtnis ausgestattet und er konnte sich Gesichter im Gegensatz zu Namen sehr gut merken.

››Was für eine kranke Scheiße. Ist also genauso bearbeitet worden wie die anderen‹‹, warf Billy ziemlich langsam und außerdem recht bleich im Gesicht die Worte in Richtung des dunklen Nachthimmels, um dieses Blutbad nicht betrachten zu müssen.

››Tolle Feststellung, was glaubst du denn? Nein, der sonnt sich hier nur ein bisschen. Ich frag‘ ihn gleich mal, ob er noch ’ne Runde mit uns trinken geht. Ja, verdammt. Ein glatter Stich mitten ins Herz. Und dann hat dieser nette Bursche mit dem Zerstümmeln losgelegt. Hatte wohl Langeweile. Manchmal hab‘ ich wirklich genug von diesem ganzen ekelhaften, kranken, widerlichen Mist.‹‹

Billy Blank erwiderte nichts auf diese Aussage. Er begab sich kopfschüttelnd auf die Suche nach möglichen Spuren oder verlorenen Gegenständen, welche mit dieser Gruseltat zusammenhängen konnten und wünschte sich, Kartenabreißer in irgendeinem beheizten Kino zu sein und jetzt außerdem lieber zu Hause mit einem Bier und ’ner netten Mieze.

››Weit und breit kein Haus. Nix, wo irgendwer was hätte sehen können‹‹, meinte Norman Queer mürrisch und fragte sich, wann der total überflüssige Notarztwagen auftauchen würde und ob Billy bereits einen Leichenwagen angefordert hatte. Außerdem fragte er sich, ob es nicht besser wäre, sich eine andere Arbeit zu suchen.

››Schrecklich‹‹, wurde Queer dann noch los und klang fast selbstmitleidig. Er war unglaublich müde und wünschte sich sehnlichst sein Bett herbei. Mit diesem Horrorscheiß wollte er nichts zu tun haben.

Seit über zehn Jahren arbeitete er nun schon im Streifendienst von Hitchten. In dieser langen Zeit hatte er viel miterlebt und eine Menge Blut und widerlichen Mist gesehen.

Er hatte durchaus auch einige schönen Dinge erlebt: Wenn ihn alte Damen freudig umarmten, weil er ihnen durch spezielle Kletteraktionen eine Katze zurückgebracht hatte, oder wenn er einmal wieder ein kleines Kind, welches sich verirrt hatte, nach Hause brachte.

Aber dieser verfluchte und abscheuliche Fall nun, diese ganze beschissene Mordserie, all die erstochenen, im Gesicht zerschnittenen und zerhackten Opfer, diese ganze kranke Scheiße verlangte ihm doch seine letzten Nerven ab.

Blank suchte noch immer mit seiner stark leuchtenden Taschenlampe nach möglichen Spuren im Kurt Cobain-Gedächtnispark von Hitchten. Bisher hatte er lediglich Abfälle und Hundekot entdecken können, nun ließ seine Geduld langsam aber sicher nach. Er suchte nur noch oberflächlich nach möglichen Rückbleibseln, welche auf die Tat hinweisen konnten.

››Dieser Spinner geht jedes Mal gleich vor. Ein kurzer Stich mit dem Messer und das war es dann auch schon. Zum krönenden Abschluss gibt‘s dann noch eine fröhliche Schnitzarbeit im Gesicht, mal ’nen Arm abgetrennt, mal ’n Bein und fertig. Billy, diese Welt ist sowas von kaputt‹‹, meinte Norman Queer mit einer melancholischen und doch zugleich gelangweilten Stimme.

Blank achtete nicht auf ihn. Er intensivierte erneut seine Suche, richtete seinen Blick wieder zweimal auf jede Stelle und spürte schmerzlich, dass ihm sehr viel Schlaf fehlte. Er hatte heute Nacht auf solch einen Quatsch mit jeder Menge blutiger Soße kein bisschen Lust und begann, über etwas nachzugrübeln.

Wieder blickte sich Queer um und diesmal besiegte ihn der Drang, sich eine Zigarette anzuzünden. Dabei wurde er begleitet von einem großen Schuldgefühl, denn der achtundvierzigjährige große Mann mit den braunen Haaren samt deutlichem Graueinschlag und der leichten Hakennase hatte sich eigentlich geschworen, auf das Rauchen zu verzichten, nachdem sein Husten schlimmer geworden war. Aber im Augenblick kümmerte ihn das so viel wie die Wettervorhersage für die Färöer-Inseln.

Die Motivation war eher unterirdisch anzusiedeln, denn bei all den anderen Tatorten hatte dieser geisteskranke Widerling nicht die geringste Spur hinterlassen. Weshalb sollte es ausgerechnet in dieser stechend windigen und eiskalten Novembernacht anders sein?

››Nichts, Norman‹‹, meinte der in seinen jungen Dienstjahren noch etwas enthusiastischere Billy Blank und schüttelte den Kopf. Dann zog er sich seine Uniform zurecht, da ihn eine kalte Woge des Windes erfasst hatte und trat auf seinen Partner zu, der immer wieder Züge an der filterlosen Zigarette nahm und dazwischen das eine oder andere mal hustete.

››Du solltest diesen Scheiß wirklich lassen.‹‹

Diesem Kommentar von Blank fügte Norman Queer lieber nichts hinzu. Stattdessen strich er sich mit der freien linken Hand durch das Haar und blickte erneut in die Richtung, aus der sie der unnötige Notarztwagen erreichen würde, deren Insassen mal wieder Freikarten für die Horrorshow ergattern würden.

››Haste eigentlich schon den Leichenwagen angefordert?‹‹ fragte Billy, wobei nun Norman für Momente schmunzeln musste, da er an Blanks Kommentar rund um das Rauchen dachte. Dann jedoch schüttelte er den Kopf.

››Immer mit der Ruhe. Hauptsache, wir kommen bald weg von hier.‹‹

Norman nahm einen weiteren Zug an der Zigarette.

Erneut gab das Funkgerät im Streifenwagen sieben ein Knacksen von sich und wieder meldete sich Clarissa.

››Wagen sieben? Norman? Billy? Habt ihr euch schlafen gelegt, oder was? Ist der Notarztwagen schon da? Lebt der Typ überhaupt noch? Ich muss den ganzen Käse doch notieren.‹‹

Ein Lächeln zog sich über Blanks Gesicht. Er hatte Clarissa bei der letzten Jahresfeier des Reviers und im weiteren Verlauf jener wundervollen Nacht eindeutig genauer kennengelernt und dachte daran, demnächst jenes schöne Erlebnis mit ihr wiederholen zu wollen.

Billy Blank bewegte sich kommentarlos und trotzdem grinsend auf den Streifenwagen zu, dessen Scheinwerfer nach wie vor ihre grellen Kegel genau auf den Tatort warfen, an welchem der Lehrer mit wie ein X übereinanderliegenden Beinen und einzelnen um ihn herum verteilten Körperteilen lag, die bis vor kurzer Zeit noch ihm gehört hatten.

Das sah sogar ein Blinder mit Krückstock, der jedoch in Anbetracht dieses Szenarios hier, das auch einem alten Romero-Film hätte entnommen worden sein können, froh sein konnte, nichts zu sehen.

››Süße, da ist noch kein Notarztwagen zu sehen. Schätze, unser Freund hier dürfte kaum noch einen benötigen. Das hat sich für den wohl ein für alle Male erledigt. Ein schwarzer Schlitten scheint angebrachter. Aber wenn du Langeweile hast, …‹‹

Er grinste ihr über das Funkgerät zu.

››Lass den Blödsinn, Billy! Ich bin heut‘ Nacht verdammt genervt. In Hitchten scheint‘s mal wieder drunter und drüber zu gehen. Was für ’ne verfluchte Scheißstadt.‹‹

Billy Blank beobachtete für Augenblicke etwas belustigt Norman, dann wandte er sich wieder dem entfachten Gespräch zu, wobei er schon darüber nachdachte, wie er Clarissa mal wieder in sein Bett bekommen konnte, um sie dort flachzulegen.

Norman Queer fotografierte gerade den toten Körper des Lehrers. Er wirkte dabei keinesfalls so, als knipse er eine Leiche, sondern eher, als habe er sich einen schicken Sonnenuntergang als Motiv auserwählt.

Obwohl auch in ihrem Revier beruflich damit beauftragte Personen für das Fotografieren verantwortlich waren, hatte Norman irgendwann vor Jahren begonnen, heimlich ebenfalls Fotografien der Opfer anzufertigen. Kälte und Distanziertheit, so wie das in seinem Beruf Pflicht war, waren auch nun – und da war er froh darüber – zu ihm zurückgekehrt.

››Ja. Da scheint wieder mal irgend ‘ne Seele verbittert zu sein. Aber wenn diese Scheiße vorbei ist, meinst du, wir könnten dann mal wieder ausgehen?‹‹

Er versuchte, möglichst schüchtern und zurückhaltend zu klingen. Sie lächelte, zumindest hörte es sich über die Leitung des Funks für Billy irgendwie danach an.

››In Ordnung, Billy‹‹, meinte sie und während er sich mit sich ausbreitendem Grinsen im Gesicht freute, beendete sie das Gespräch, da sie eine Meldung eines anderen Streifenwagens hereinbekam.

Nun fuhr der Notarztwagen mit Sirenengeheul vor. Ein routiniertes Team stellte nach kürzester Zeit den Tod des bemitleidenswerten Lehrers fest (welch eine Leistung!) und die Formalitäten wurden erledigt.

Ein Dankeschön für den Gratiseintritt in die Geisterbahn wurde keiner vom entsetzten Notarztteam los. Über sein Mobiltelefon rief der Notarzt den Leichenwagen herbei, auch wenn der Tatort noch weiter zu untersuchen war.

Dann verschwand der Wagen zur nächsten Katastrophe. In Hitchten gab‘s nun mal in letzter Zeit verdammt viel zu tun.

››Scheiße, nicht die kleinste Spur. Verflixt, verdammt und zugenäht. Dieser Penner scheint ‘n verfluchter Profi zu sein‹‹, fluchte Billy Blank und bewegte sich wieder auf den Streifenwagen zu.

››Mal sehen, wie die Bilder werden‹‹, wurde Queer total unzusammenhängend los.

››Schon mal dran gedacht, Fotograf beim Penthouse zu werden?‹‹ schlug Billy Blank seinem Partner vor. ››Ich mein‘ ja nur, dass das vielleicht netter wäre, als diesen schrecklichen Horror-Schrott festzuhalten.‹‹

Kurz sah Norman, der auf den guten Vorschlag nicht im Geringsten einging, noch einmal dorthin, wo einsam und alleine das mehr oder weniger zerstückelte Mordopfer lag. Das würde sich bald ändern, da der offiziell beauftragte Fotograf sowie der Leichenwagen hoffentlich unterwegs waren. In Hitchten ging diesbezüglich mittlerweile alles immer ziemlich schnell und routinemäßig vonstatten. Tote gab’s hier beinahe so viele, wie anderswo Sandkörner am Strand.

Man durfte diese üble Scheiße nicht an sich ranlassen. Dennoch verspürte Norman Queer großes Verlangen danach, diesen mordenden Spinner endlich zu fassen, welcher sie seit Wochen ständig aus dem Schlaf riss und immer wieder mit neuen Kreationen des ekelhaften Schreckens beglückte.

››So ein Haufen gequirlter Mist, Billy. Funk‘ die Zentrale an.‹‹

Billy Blank hatte sich bereits im Wageninneren auf dem Fahrersitz niedergelassen und gab die Neuigkeiten an die Zentrale durch. Diesmal hatte er leider nicht Clarissa am Funkgerät, die sich wahrscheinlich absichtlich hatte ablösen lassen, um nicht nochmal mit dem Schwachkopf quatschen zu müssen.

Billy beschränkte sich auf die nötigsten Informationen, ließ aber eine zusätzliche Info über seinen Partner folgen, auch wenn die eine Lüge war, von welcher der noch gar nichts wusste.

So viel Ärger ihnen das wahrscheinlich auch einbringen würde, er vermisste den Schlaf zutiefst, weswegen er soeben eine Entscheidung getroffen hatte, wegen der er nun eben ein wenig mogeln musste.

Nachdem er anschließend eine schwarze Limousine sowie den Tatort-Fotografen bestellt hatte, warf er für eine Weile seinem noch recht fleißigen Partner Norman Queer einige belustigte Blicke zu.

››Hier ist einfach nichts. Null. Was bringt es uns, wenn wir jetzt wie wild durch diesen bescheuerten Park rennen, am Ende dann aber doch nichts finden?‹‹

Billy Blank wusste nur zu gut, wie unzufrieden Norman Queer stets war, wenn sich ihnen ein neuer Fall auftat, welcher unlösbar schien, so wie sich das nun auch bei jener Lehrer-Mordserie verhielt, bei der sie eher rückwärtsgingen, statt vorwärts zu kommen.

Billy Blank startete den Wagen und warf dabei einen letzten Blick auf den armen Wicht am Boden, der sein Leben ausgehaucht hatte. Im Moment reizte es Blank kein bisschen, hier zu warten, bis die bescheuerten Kollegen angetanzt waren.

››Wir kriegen Riesen-Trouble, Billy. Wenn du jetzt fährst, macht uns Abuzic die Hölle heiß. Und dann war’s das mit dem Job und ich kann mich bei McDonald’s hinter die Theke stellen. Scheiße, die Leiche ist noch nicht mal abtransportiert. Bist du wahnsinnig?‹‹

Doch Billy Blank hörte nicht auf seinen völlig zu Recht total erzürnten Partner, was für den Neuen ziemlich seltsam und ungewöhnlich war. Er winkte Norman Queer ungeduldig und genervt dreinblickend zu sich.

››Wir funken das neuste Kunstwerk dieses Psychopathen den beiden Vollpfeifen durch. Mach‘ ich gleich. Die sind heut‘ Nacht im Einsatz und fahren im Norden Streife. Du hast ’nen leichten Befall von was weiß ich was, weshalb wir heute Nacht leider nicht können. Die Zentrale weiß Bescheid.‹‹

Für Momente überlegte Norman Queer, dann entschied er sich dazu, dass er heute Nacht – wie offensichtlich auch Blank – keine Lust auf diesen blutigen Müll hatte und nickte seinem jungen Partner mit einem Grinsen im Gesicht zu.

››Weise Entscheidung, dafür gibt’s stehende Ovationen. Du musst nur die Augen schließen, dann hörst du sie. Und jetzt in die Blechbüchse, mein Guter‹‹, wurde Blank – nebenbei herzhaft gähnend – los und griff sich das Funkgerät, um Ray und John, die zu bemitleidenden Kollegen, herzubeordern.

Als Blank sowie Queer vor lauter Flüchen und Verwünschungen der Kollegen, die schon in Richtung Park unterwegs waren, noch die Ohren klingelten, setzte Billy Blank den Wagen zurück und kurz darauf waren die beiden von diesem Ort des Gemetzels verschwunden.

Im Revier würde Mortrian Abuzic am Morgen mit Sicherheit seine Wut über das Verhalten seiner beiden Polizisten herauslassen. Aber Blank kümmerte das nicht sonderlich viel. Der Wunsch nach Schlaf tötete alles andere im Moment schlichtweg ab. Außerdem hatten sie bereits zu gute Dienste geleitet, die beiden anderen Volltöffel mussten sie heute Nacht eben mal vertreten, da der arme Queer ganz plötzlich erkrankt war.

››Was bezweckt dieser Typ? Wie kann jemand zu derart Hässlichem in der Lage sein?‹‹ fragte Billy Blank gedankenversunken mit einer für ihn ungewöhnlich rauen Stimme. Er sah auf die Straße vor ihnen und schien plötzlich sehr nachdenklich zu sein.

Norman Queer konnte das zwar verstehen, aber er nahm sich das alles – zumindest meistens – schon lange nicht mehr so sehr zu Herzen, wie sein Partner das noch immer zu tun pflegte. Allerdings drehte er im Kopf halb durch, weil Billy einfach mal eben entschieden hatte, den Leichnam gemütlich dort im Stich zu lassen. Angesichts des Massakers an dem Lehrer in dieser Nacht war er jedoch durchaus selber deutlich angeschlagen und froh darüber, aus diesem Park verschwunden zu sein.

Er kannte seinen neuen Partner inzwischen doch schon ziemlich gut und war sich darüber im Klaren, dass der manchmal eben genau das durchzog, was er wollte, oder wonach ihm der Sinn stand. Und schließlich hatten sie das ja auch irgendwie gerade mal noch so gedeichselt für heute Nacht, wie er zumindest hoffte. Ansonsten würde er vielleicht wirklich bei McDonald’s anfragen müssen.

››Was weiß denn ich? Bin ich Jesus? Dieser kranke Typ ist mit Sicherheit irre. Was sollte er davon haben, all diese Lehrer abzumurksen und kleinzuhacken?‹‹ entgegnete Norman ziemlich barsch und warf Billy einen ratlosen Blick zu.

Billy Blank nickte nur zustimmend mit dem Kopf und murmelte dann etwas Unverständliches. Er wusste nur zu gut, dass aus den Wohnungen und Häusern der Ermordeten im Anschluss an deren unsanftem Ableben nichts entwendet worden war. Raubmord schied auch aus. Vor allem dann, wenn man sich die Opfer betrachtete, war Folgendes ziemlich klar: Hier war Mr. Wahnsinn am Werkeln und hacken.

››Abuzic reißt uns den Kopf ab…‹‹, begann Norman.

››…und scheißt uns in den Hals‹‹, beendete Blank einen der Lieblingsflüche von Mortrian Abuzic. Beide mussten lachen, wobei sie den Ernst der Lage im Augenblick nicht erkennen konnten, da sie der Konzentration beraubt worden waren.

So fuhren sie durch diese windige Nacht, welche von einer gespenstischen Dunkelheit erfüllt war.

Einen Mond schien der Himmel in dieser Nacht mit einem mal nicht mehr zu beheimaten.

Präzise

Sanft streichelte er über die Digitalkamera. Die Bilder seines letzten Opfers hatte er bereits den anderen auf seinem Computer hinzugefügt. Nun betrachtete er zufrieden das seitlich geschossene Foto und spürte eine schöne Zufriedenheit in sich. Wieder einmal war alles bestens verlaufen und das Ganze hatte ihm eine Menge Spaß bereitet.

››Du wirst hier niemals wieder rauskommen. Jedenfalls nicht lebend‹‹, teilte er mit einer sanften und nahezu geflüsterten Stimme einer Gefangenen mit.

Dann schaltete er die Kamera ab.

Für Momente betrachtete er seinen chaotisch übervölkerten Schreibtisch. Dieser stand direkt unter dem Fenster, durch welches er auf die Straße hinaussehen konnte.

››Schmor‘ in der Hölle‹‹, brachte die Gefesselte mit angsterfüllten Augen hervor, mit welchen sie jenen Mann betrachtete, welcher sie nun jedoch kaum beachtete.

Der Drucker begann zu rattern und zu surren, als er das Lieblingsbild der Bestie vom neuesten Opfer ausdruckte. Auch das gehörte zu seinen Spielchen. Schließlich wollte er die Polizei seine Fotografie-Künste betreffend auf dem Laufenden halten.

Mortrian Abuzic

››Wie stellt ihr beiden Idioten euch das vor?‹‹ brüllte Mortrian Abuzic sie am nächsten Morgen in seinem Büro wütend an. Er hatte heute ausgesprochen schlechte Laune, als er in die müden Gesichter von Queer und Blank blickte.

››Ich hoffe doch, euch ist der verdammte Ernst der Lage bewusst? Wir haben hier, verflucht noch mal, etliche tote Lehrer in den letzten Wochen zu beklagen. Und ihr pfuscht da am Tatort herum und verkrümelt euch einfach so. Wir sind hier nicht beim Film, ihr Helden. Das alles ist echt. Scheiße, verdammt.‹‹

Er betrachtete sie fordernd, bekam jedoch keine Antwort und merkte auch nichts von irgendeiner Reaktion. Nur die Leere sprach aus ihren Gesichtern und das beunruhigte Abuzic zutiefst.

Norman bereitete sich darauf vor, seinem Chef eine entscheidende Frage zu stellen. Zu Beginn räusperte er sich, war sich dann wieder im Klaren darüber, dass er ihm die Frage wohl bestimmt nicht stellen würde und tat dies dann doch.

››Meinen Sie nicht, es wäre besser, diesen Fall lieber zwei anderen zu übergeben?‹‹ schoss die Frage irgendwie ängstlich und schnell aus Norman Queers Mund.

Blank warf seinem Kollegen einen unsicheren Blick zu. Er selbst wurde bei den bisherigen Ermittlungen zu diesem Fall zweifelsohne ebenfalls von einer Art Hilflosigkeit begleitet. Aber was Queer da gerade eben gefragt hatte, das grenzte bereits an den reinsten Irrsinn.

››Ihr werdet diesen verfluchten Fall bearbeiten, diese ganze Scheiß-Mordserie, oder ihr könnt euch einen neuen Job suchen‹‹, brüllte Abuzic wieder und schlug im Anschluss daran fest auf seinen Schreibtisch.

Norman erwiderte nichts darauf. Er hatte Blank nur kurz angesehen und das war lange genug gewesen, um zu erkennen, dass dem die gestellte Frage nicht sonderlich gefallen hatte.

››Was soll das Ganze eigentlich? Siehst du in diesem Scheißfall irgendeine Möglichkeit, den ganzen Mist aufzudecken?‹‹

››Das ist immer noch besser als sich zurückzuziehen, Norman. Das solltest gerade du nur allzu gut wissen‹‹, antwortete Billy Blank, wobei er sehr unglücklich aussah.

››Wenn ihr euch diesem Fall verweigert, seid ihr eure verdammten Dienstmarken los. Dann könnt ihr in der Kloake von Hitchten die benutzten Gummis aussondern oder Hundekot von den Straßenrändern beseitigen. Ich hoffe, ich habe mich klar genug ausgedrückt!!!‹‹

Ein Nicken der Gleichgültigkeit. Und dennoch saßen die Worte von Mortrian Abuzic, ihrem zweiundfünfzigjährigem, grauhaarigem und zumeist schlechtgelauntem Boss in seinen immer viel zu engen Anzügen. Rauch von Abuzics Zigarre stieg – sich langsam kräuselnd – empor. Er betrachtete sie eindringlich und war davon überzeugt, dass die beiden seine Rede verstanden hatten.

››Leute, ich habe keine Zeit für diese Kindergarten-Scheiße. Entweder, ihr werdet euch jetzt sofort in den Streifenwagen begeben und diesen verdammten Irren hier bei mir abliefern, oder ihr könnt, verdammt noch mal, hier nur noch die Kaffeemaschine bedienen.‹‹

Nein, gut zu sprechen war heute in der Tat nicht mit Mortrian Abuzic. So sahen sich die beiden Streifenpolizisten eine Weile an, bis schließlich Queer derjenige war, der den Chef zu beruhigen versuchte. Eigentlich jedoch wollte er einfach nur seine Ruhe haben.

››In Ordnung, Mortrian. Auf uns ist Verlass‹‹, verkündete Norman, wobei sein Gesichtsausdruck auf ziemlich alles andere als das hindeutete.

Doch Mortrian Abuzic nickte nur und führte erneut die dicke Zigarre an seinen Mund, um einen weiteren Zug daran zu nehmen.

››Raus jetzt! Und wenn ihr schon dabei seid: Ich will meinen bescheuerten Kaffee.‹‹

Ohne weitere Worte schlugen sie die Türe hinter sich zu. Die Wucht ließ Abuzic für Sekunden in der Tat vollkommen fassungslos dreinblicken.

Den bestellten Kaffee ließen sie links liegen und saßen stattdessen kurz darauf wieder in Streifenwagen sieben, um sich nicht im Geringsten im Klaren darüber zu sein, wie sie diesen Fall weiterhin angehen sollten.

››Scheiße‹‹, war deshalb Norman Queers nur allzu gut passender Kommentar, als sie schließlich im Wageninneren saßen und er gerade den Zündschlüssel drehte. ››Ich sag‘ dir was, Billy: Wir reißen diesem Bastard den Arsch so weit auf, dass er sich wünschen wird, niemals geboren worden zu sein.‹‹

Leichenschauhaus

So fuhren sie los, ohne auch nur die kleinste Spur in diesem Fall zu haben und Abuzic, ihr ständig schlecht gelaunter und angespannter Chef, vermieste ihnen die Laune noch dazu.

››It‘s getting dark again‹‹, sang es ihnen aus dem Radio entgegen. In der Tat beschrieb dies die derzeitige Situation recht gut.

››Fahren wir zu diesem verdammten Leichenschauhaus! Ich brauch‘ die genauen Todesdaten. Verflucht, warum mache ich das nur?‹‹

Billy Blank brachte den Vorschlag ein, sich noch mit Donuts zu versorgen. Queer hatte sich die nächste Zigarette angezündet und beobachtete in Gedanken versunken nur nebensächlich den Verkehr. Er hatte Blanks Vorschlag abgeschmettert und steuerte direkt die Leichenhalle des Gralionston-Friedhofs an.

Sie hatten keine Zeit zu verlieren, das wussten sie beide.

››Wäre es nicht besser, zuerst die Schule aufzusuchen?‹‹ fragte Blank wie ein schüchterner Schuljunge und bekam darauf – wie von ihm erwartet – keine Antwort.

Sie hatten es mit einem Wahnsinnigen zu tun, der scheinbar alle Lehrer dieser Stadt ins Jenseits befördern wollte und mit der Highschool-Süd begann. Seine Vorgehensweise blieb stets dieselbe: Zunächst ein sauberer Stich ins Herz, dann die Schnitzerei im Gesicht.

Eine alte Nummer von Bruce Springsteen ertönte, als Queer den Wagen geschickt in eine kleine Parklücke jenseits des Friedhofes lenkte und dann das Radio ausschaltete.

››Los jetzt, Horror!‹‹

Manchmal kam es vor, dass Queer seinen Partner Blank Horror nannte. Das ergab zwar wenig Sinn und auch nicht mehr Zusammenhang, aber Billy Blank war nun einmal ein großer Horrorfan, trotz des manchmal ausreichend vorhandenen Grauens im Streifendienst in Hitchten als Polizist.

Blank hörte auf das, was Norman Queer ihm befahl und stieg aus dem Streifenwagen, nachdem er die Meldung durchgegeben hatte, dass sie sich nun ins Leichenschauhaus begeben würden. Wieder war nicht Clarissa diejenige, die seine Meldung entgegennahm.

››Ich bin es leid, ständig diese Meldungen durchzugeben. Ich meine, bist du mein Chef, oder was?‹‹ fragte er Norman. Natürlich war dieser mitnichten sein Boss, aber ebenso natürlich antwortete er Blank auch nicht auf dessen Frage.

Das war eine weitere schlechte Angewohnheit von Norman. Wenn er zu etwas befragt wurde, worauf er keine Antwort geben wollte oder konnte, dann schwieg er einfach in der Hoffnung, dass sein Gegenüber bald selbst vom Thema abschweifen würde.

››Lass uns rein gehen‹‹, meinte Norman, den Streifenwagen abwertend betrachtend und setzte sich in Bewegung. Ohne Murren und weiteres Verlangen, eine Antwort zu erhalten, folgte ihm Blank. Diese Art der Hoffnung hatte er längst in der Erde begraben.

Der Anblick war nicht ein bisschen angenehmer als in der Nacht zuvor. Seltsamerweise löste er nun – unter Tage – eine Gänsehaut bei Queer aus, was Stunden zuvor nicht geschehen war. Er betrachtete den toten Körper eine ganze Weile.

››Ein Stich mit einer spitzen, in etwa vierzehn Zentimeter langen Klinge. Eiskalt und präzise. Alles Weitere ist nur Zierde‹‹, meinte der untersuchende Leichenbeschauer und inspizierte Queer mit strengem Blick. ››Ich fürchte, da kommt einige Arbeit auf Sie zu.‹‹

Die Strenge im Blick von Shula Bunzciorzic, wie der Inder hieß, missfiel Queer zutiefst. Diese Todesursache hätte er sich auch selbst zusammenreimen können. Dennoch schwieg er nur und bestätigte den Blick von Bunzciorzic mit einem freundlichen, dennoch unterkühlten Lächeln.

››Meine Herren, ich kann Ihnen nur so viel dazu sagen: Bei jedem der momentan der Serie zuzuordnenden Opfer wurde mit höchster Wahrscheinlichkeit dieselbe Tatwaffe verwendet. Dieser von Hass scheinbar erfüllte Täter bleibt wohl gern‘ bei Altbewährtem.‹‹

Blank warf einen neugierigen Blick auf die etlichen tiefen Schnittwunden im Gesicht des neuesten Opfers.

››Der Typ heißt…‹‹, der Inder stoppte, ››…hieß Jerry Croocher. Armes Schwein, wenn Sie mich fragen.‹‹

Anschließend ließen sich die beiden die Unterlagen zu diesem Mordopfer von dem Inder aushändigen und verschwanden, ohne sich zu verabschieden.

››Fahren wir in diese beschissene Schule‹‹, schlug Blank vor und las sich nebenbei oberflächlich die Unterlagen durch.

››Wer macht so etwas, Norman?‹‹ fragte er seinen Arbeitskollegen und Partner, diesen dabei anblickend.

Ratlosigkeit seltener Intensität lag im Inneren des Streifenwagens in der Luft und so setzte Queer auch diesmal den Wagen in Bewegung, ohne seinem stets neugierigen Kollegen eine Antwort zu geben.

››Gestern Abend habe ich die Fortsetzung von diesem einen spanischen Höhlenhorrorfilm gesehen‹‹, erzählte Billy Blank und fluchte kurz darauf einem Fahrradfahrer hinterher, der von der falschen Seite in den Parkplatz einfuhr.

››Weißt du, Billy? Manchmal wünsch‘ ich mir, ich hätte eine Familie. Ich weiß nicht mehr, wie ich diesen ganzen Mist aus meinem Privatleben raushalten kann. Ständig denke ich an diese Morde und wir haben nicht den kleinsten Ansatzpunkt. Eine verfluchte Scheiße ist das alles.‹‹

Mitleidig nickte Blank und spürte erneut den Hunger, welcher ihn seit dem vergangenen Abend, als er das letzte Mal etwas gegessen hatte, plagte. Dass der gute, alte Norman mal wieder nicht auf etwas einging, das er ihm erzählte, störte Billy nicht weiter großartig. So war sein Partner eben.

››Ja. Und ich denke, ein paar Donuts könnten dir nur gut tun‹‹, lächelte Blank und erhoffte sich diesmal eine Reaktion.

Aus dem Radio meldete sich ein Sportreporter.

››Schalt‘ den Mist weg‹‹, bat Norman, der dem Fußball nicht das Geringste abgewinnen konnte. Blank jedoch amüsierte sich köstlich, dennoch stellte er einen anderen Sender ein.

››Wagen sieben? Wagen sieben!‹‹

Entnervt blickte Queer auf das Funkgerät.

››Was ist denn nun schon wieder? Muss jemandem was gebügelt werden, oder vielleicht irgendwo im Revier staubgesaugt? Klar, hier ist Wagen sieben. Bei uns seid ihr immer richtig.‹‹

››Norman hier, Wagen sieben. Was ist denn schon wieder, Zentrale? Gibt’s vielleicht irgendwo Blumen zu gießen?‹‹ wurde Norman mit extrem genervter Stimme los.

››Sehr witzig. Bitte melden Sie sich unbedingt bei Abuzic, Norman‹‹, gab die schöne Stimme über den Funk durch. Mehr sagte sie nicht.

››Was soll diese Scheiße? Wie sollen wir da vernünftig an diesen Scheißfall rangehen?‹‹ wetterte Billy Blank.

Norman nickte nur zustimmend. Erneut betätigte er anschließend das Funkgerät. ››Zentrale? Hier Wagen sieben. Was soll diese Scheiße? Muss irgendwo ein Rasen gemäht werden, oder was?‹‹ zürnte er.

››Was das soll? Frag‘ das den Chef, aber nicht mich, Süßer.‹‹

Erneut beendete sie das Gespräch. Queer schüttelte den Kopf.

››Planänderung‹‹, meinte er.

››Hier geht es nicht zum Revier‹‹, stammelte Blank vorsichtig und wunderte sich. Queer lächelte nur und nickte.

››Das weiß ich, Billy. Wir werden auch nicht ins Revier fahren.‹‹

Der Mann mit dem kantigen Gesicht

Die Auflösung des Digitalbildes gefiel ihm nicht besonders, wie er bemerkte, als er sich dieses einige Minuten beinahe verträumt angesehen hatte. Er hatte vor, irgendwie und irgendwann ein Buch mit den Beschreibungen all seiner Morde und den dazugehörigen Bildern der Opfer zu veröffentlichen. Bei dieser kranken und nach Sensation hechelnden Menschheit – davon war er überzeugt – würde dieses Buch der reinste Kassenschlager werden.

Den Ausdruck des Fotos hatte er in einen Umschlag gesteckt, nachdem er diesen mit der am Tag zuvor gekauften Schreibmaschine adressiert hatte. Alles verlief nach Plan und er hatte großen Spaß an dem, was er tat. Mit seiner großen rechten Hand strich er sich seine Haare aus der Stirn und betrachtete noch immer unzufrieden das Bild in seinem Rechner. Auch mit den Schnitten im Gesicht war er nicht allzu glücklich.

Seine Arbeit erschien ihm diesmal durchaus ein wenig gepfuscht. Aber Spuren hatte er nicht hinterlassen, das wusste er mit Sicherheit. Nach einigen weiteren Minuten der Unzufriedenheit erhob er sich, entschied sich dann jedoch, noch ein wenig zu warten.

Er konnte sich nicht erklären, weshalb, jedoch erschien ihm der Zeitpunkt noch nicht gekommen, den Umschlag in einen der nächsten Briefkästen zu werfen, damit dieser als kleine Aufheiterung das Polizeirevier erreichen würde.

Schließlich drehte er sich um.

››Zieh‘ dich jetzt aus, Hure!‹‹ befahl er mit lüsternem Blick.

Dann fiel er über die willige Prostituierte her. Sicherlich hatte auch die große Menge Koks das seinige zu dieser Begierde beigetragen.

Für einige Zeit interessierte ihn nur noch ihr Körper. In seinen Augen standen ihm das reinste Verlangen und Wahnsinn geschrieben.

Planänderung

››Was, verdammt und halleluja, soll das, Norman?‹‹ fragte Billy Blank und schüttelte verständnislos und unsicher den Kopf, während Queer von einer Straße in eine andere abbog.

››Keine Sorge, Billy. Das wirst du gleich erfahren‹‹, entgegnete Queer und schien sich sehr über etwas zu amüsieren. Möglicherweise waren das irgendwelche Gedankenspiele, welche er in seinem Kopf verspann.

Blank wusste nur eines: Er wurde noch immer von diesem großen, ihn zutiefst quälenden Hunger verfolgt.

››Norman. Hör‘ mir zu, verflucht! Wir müssen ins Revier. Weiß der Kuckuck, was Abuzic wieder hat, aber ich halte es nicht für sehr ratsam…‹‹

Weiter kam er mit seiner Meinung nicht, denn langsam begann er, zu begreifen. Sie befanden sich momentan auf der Straße, welche aus Hitchten hinaus führte und gleichzeitig die Verbindung in irgendein dieser Millionenstadt nahegelegenes Nest darstellte.

››Das können wir später erledigen, Billy. Und diese verfluchte Schule interessiert mich im Augenblick nicht im Geringsten.‹‹

Blank hatte noch immer keine Ahnung, was Queer vorhatte.

››Wo fährst du hin? Ich hab‘ ein verfluchtes Recht, das zu erfahren. Ich bin dein Partner. Ich steck‘ in dieser ganzen Scheiße mit drin.‹‹

››Nennen wir es Eigenermittlung, mein guter Billy.‹‹

Norman sprach die Worte genau so aus, wie Sherlock Holmes stets seinen Begleiter Watson angesprochen hatte.

››Du willst also tatsächlich eine weitere Suspendierung?‹‹ fragte Blank und lauschte mit einem Ohr wieder der Radiosendung, welche nun ››The sun ain‘t gonna shine anymore‹‹ spielte. Blank mochte diese Art von älterer Musik, er konnte sich jedoch den Interpreten nicht ins Gedächtnis zurückrufen.

››Halt‘ die Klappe, ja?‹‹ gab Queer von sich und wirkte dabei sehr bestimmt und konzentriert. Noch achthundertdreiundzwanzig Meter trennten sie vom Stadtrand Hitchtens.

››Scheiße, Norman. Das gefällt mir absolut nicht.‹‹

››Ich weiß.‹‹

››Dieser Inder, Shula Bunzciorzic, ein seltsamer Vogel, oder?‹‹ fragte Billy Blank. Er bekam keinerlei Antwort.

Norman imponierte das fabelhafte Namensgedächtnis von Billy Blank. Die beiden ergänzten sich betreffend Queers fotografischem Gedächtnis vermischt mit Blanks beeindruckendem Namensgedächtnis sehr gut.

››Der Boss reißt uns den Kopf ab, wenn wir nicht gleich bei ihm auftauchen. Ich hoffe, du weißt das‹‹, sagte Blank und unterbrach die Momente von Queers innerer Bewunderung angesichts des Namensgedächtnisses von Billy.

››Wir sind die Besten. Vergiss das nicht! Er wird uns während dieses Lehrer-Falles nicht suspendieren.‹‹

Angesichts ihrer derzeitigen Erfolglosigkeit kam Blank diese Aussage doch sehr fragwürdig und lächerlich vor.

››Du würdest nur versuchen, mich davon abzuhalten. Aber ich versichere dir, dass du keine üblen Folgen zu befürchten hast, wenn du mich jetzt einfach fahren lässt.‹‹

Die Melodie des Songs klang sehr wohlig in den Ohren von Blank. Er fühlte sich gegenüber Queer unterlegen, denn er wusste nur zu gut, dass sein Partner durchsetzte, was er durchsetzen wollte. Das hatte mit Demokratie nichts mehr zu tun. Er war einfach sehr sicher und überzeugt in all seinen Handlungen. Und wenn schon? Momentan hatte Blank selbst keinen besseren Vorschlag vorzubringen.

Nur Abuzic erwartete sie und der Chef konnte sehr unangenehm werden, wenn er wollte. Am Morgen hatten sie nicht einmal einen Bruchteil seiner Gnadenlosigkeit miterleben müssen. Dennoch verstummte Blank erneut, beobachtete, wie sich der anscheinend leicht aufgeregte Norman Queer eine weitere Zigarette anzündete und lauschte dann den letzten Takten des Liedes, ehe dieses von einer Sondermeldung über den neuesten Mord in Hitchten – eben jenem an Jerry Croocher – unterbrochen wurde.

››Verflucht, ich dachte, sie würden keine Meldung darüber an die Öffentlichkeit bringen?!‹‹ stotterte Billy Blank beinahe. Norman, der um einiges mehr Erfahrung aufzuweisen und in den vielen Jahren seines Streifendienstes wesentlich mehr miterlebt hatte, wusste es selbstverständlich besser.

Nun tanzte Rock ‚n‘ Roll durch den Streifenwagen, denn der Song ››Gimme Shelter‹‹ von den Rolling Stones erklang aus den immer wieder ein wenig knisternden kleinen Boxen. Queer wippte lässig zum Takt der genialen Nummer.

››Das sollte auch nicht an die Öffentlichkeit, Billy. Aber heutzutage sind Leute so schnell käuflich, verdammt. Die Medien wären doch dumm, wenn sie Informationen nicht dem Publikum präsentieren würden. Das musst du als etwas Alltägliches verstehen, Billy. Die Presse, das Fernsehen, das Radio, das ganze verfluchte Internet, die alle haben nie etwas anderes getan, als uns Polizisten an unserer Arbeit zu hindern.‹‹

Längst hatten sie die Stadtgrenze hinter sich gelassen und nun warf Blank – einsichtig und doch ein klein wenig überrascht – einen Blick zurück auf die Wolkenkratzer von Hitchten, die langsam zu versinken schienen, je mehr sie sich von der Stadtgrenze entfernten.

››Diese Welt ist eine einzige Kloake, Billy. Aber du musst lernen, in dieser Kloake zu leben und zu bestehen. Anders wirst du‘s nicht schaffen.‹‹

Mit der Zeit nervten Billy Blank die ständigen Ratschläge seines mit zittriger Hand an der Zigarette ziehenden Kollegen. Das Lied der Stones fand aber auch er ganz fantastisch.

››Wo fährst du hin, Norman? Ich werd‘ dich nicht dran hindern, aber spuck‘s schon aus.‹‹

Blank hielt abermals die Abschlussunterlagen der Untersuchungen des Leichenbeschauers in den Händen. Nebenbei fiel ihm auf, dass der Inder sehr schnell zu einem Abschluss seiner Untersuchungen gekommen war. Ein Wunder war dies jedoch keinesfalls und genau diese Monotonie der Gleichheit der zurückgelassenen Leichen bereitete Billy Blank im Augenblick Sorgen.

Norman Queer antwortete weiterhin erwartungsgemäß nicht und beobachtete stattdessen nur den Verkehr vor sich.

››Geduld ist ebenfalls etwas, das du dir auf dem schnellsten Wege aneignen solltest, Partner‹‹, wusste Norman Queer zu vermelden und lenkte den Wagen wenige Augenblicke später von der Interstate.

››Du fährst nach Knocksville?‹‹ wollte Blank erfahren.

››Ganz Recht, mein Freund. Lass uns mit der Arbeit beginnen.‹‹

Norman hatte ein festes Ziel vor Augen. Das vermutete Blank nicht zuletzt daher, da der ganz gezielt Knocksville anfuhr, sondern er hatte es einfach im Gespür. Als sie kurz darauf das hölzerne Ortsschild der Viertausendseelengemeinde passierten, hatte Norman Queer bereits ein Lächeln der Zufriedenheit aufgesetzt.

Billy Blank betrachtete nun erneut etwas genauer den Untersuchungsabschluss des Inders Bunzciorzic.

››Weißt du, Norman? Ich sehne mich nach einer Zeit, in der wir nicht jede verdammte Scheiß-Nacht wegen einem beschissenen weiteren verfickten Mord geweckt wurden.‹‹

Norman Queer verstand seinen Kollegen nur zu gut. Im Gegensatz zu diesem hatte er sich jedoch bereits daran gewöhnt, dass diese Wünsche für immer Vorstellungen und niemals im Leben Wirklichkeit werden würden.

Nachdem weitere zwei Minuten vergangen waren, lenkte Queer den Wagen geschickt in die Einfahrt vor einer kleinen Bar. Er hatte noch immer dieses wahnsinnige Lächeln des Sieges im Gesicht.

››Was soll das?‹‹ fragte Blank und stierte in Richtung der zumindest von außen schäbig anmutenden Bar. Das war eine erbärmlich aussehende Spelunke, die nicht die geringste Spur von Hilfe in ihrem Fall vermuten ließ.

››Ich verstehe. Das Ganze hat überhaupt nichts mit unserem Fall zu tun.‹‹

Norman schüttelte bestimmt den Kopf.

››Du liegst so falsch, wie seit langer Zeit nicht mehr, Billy. Steig‘ aus und du wirst die Wahrheit erfahren.‹‹

Ohne weitere Verzögerungen folgte Billy Blank dieser Aufforderung.

››Wir befinden uns hier auf einem langen Pfad der Irre‹‹, meinte Blank und folgte Norman.

››Vielleicht sollten wir trotzdem eine Meldung durchgeben?‹‹ riet Billy Blank, doch Queer war bereits zu weit entfernt, um dies zu verstehen und Billy wusste nur zu gut, dass er auch dann nicht reagiert hätte, wenn er ihn verstanden hätte.

Etwas demütig folgte er seinem eigenwilligen Partner in Richtung der kleinen Bar.

Douglas Mills

Ein neonorange-farbiges, ebenfalls bereits recht heruntergekommen aussehendes Schild deutete auf ››Mills‘ Bar‹‹ hin.

Das Summen verstummte immer wieder und wurde durch den starken Novemberwind übertüncht, ehe es sich abermals durchzusetzen vermochte und erneut in ihre Ohren drang.

Norman hatte die Kneipe bereits betreten. Countrymusik spielte ihnen entgegen und als auch Billy die dunkle Bar betrat, stach ihm sofort der abgestandene Geruch von Schweiß und Zigaretten in die Nase. Er kämpfte dagegen an, sich auf der Stelle zu übergeben.

››Tag, Mills‹‹, begann Norman, während Blank den kleinen, untersetzten Mann, der eine unscheinbare Ausstrahlung auf ihn ausübte, erst nach einer längeren Weile bemerkte.

››Lange nicht gesehen, Kumpel. Wie geht’s denn so?‹‹

Mills, wie der Kerl offensichtlich hieß, beachtete Billy Blank nicht im Geringsten, so als sei er nicht existent. Und Billy spürte, dass er dies mit Absicht tat. Dieses ihm unsympathische Verhalten jedoch schloss er auf die Seltsamkeit der Bürger dieser kleinen Orte im Allgemeinen.

Er beobachtete die beiden und wünschte sich, diese grauenhafte Countrymusik möge bald zu Ende sein. Stattdessen folgte ein weiteres Country-Lied, in dem tiefe Stimmen über verflossene Lieben und Kämpfe um Frauen sangen.

››Schöne Scheiße, was bei euch wieder los ist, Norman‹‹, meinte Douglas Mills und Queer war sofort klar, dass sein alter Bekannter die Lehrermorde meinte.

››Ja, auch das hat mit meinem Besuch zu tun, Mills. Hör‘ mir zu! Du musst was für uns tun.‹‹

››Wer ist er?‹‹ begann Douglas Mills und Queer starrte auf seinen Partner, der sich in der Nähe des Ausgangs aufhielt. Im Augenblick rümpfte er sich die Nase, denn der Geruch war doch sehr extrem.

››Ich rede nicht von deinem Anhängsel‹‹, raunte Mills, ehe Queer seinen Kollegen hätte vorstellen können. Eigentlich jedoch hatte er gewusst, dass Mills seinen Partner nicht beachten würde. Er war aufs äußerste misstrauisch und zählte nur sehr wenige Menschen zu seinem Freundeskreis.

››Keine Ahnung, Mills. Jedenfalls hält er uns ziemlich auf Trab, wer auch immer das alles angestellt hat. Mills, du weißt, dass du mir einen Gefallen schuldest?‹‹

Stille kehrte ein und aus den kleinen Boxen des Radiogerätes verkündete ein Moderator die neuesten Nachrichten.

Douglas Mills starrte seinen alten Freund eine ganze Weile an und sagte nichts. Dennoch geschah etwas mit ihm, als er sich an jenen entscheidenden Moment erinnerte. Röte stieg in sein Gesicht und er verspürte eine seltsame Mischung aus Scham, Unterlegenheit und Zorn.

››Scheiße und zur Hölle, Norman. Erzähl‘ mir keinen Quatsch! Das ist so lange her.‹‹

Verständnislos beobachtete Blank dieses Gespräch und konnte sich zugleich keinen Reim darauf machen, aus welchem Grunde Queer diesen seltsamen Mann aufgesucht hatte. Der viel zu schwach arbeitende Ventilator fächerte ihm eine neue Welle des schlechten Geruchs ins Gesicht. Angewidert drehte er sich in eine andere Richtung und beobachtete dann aus nun größerer Entfernung die beiden.

Norman zeigte äußerlich keine besondere Reaktion auf Mills‘ Worte hin. Innerlich jedoch begann es in ihm zu brodeln.

››Ach ja, Mills?‹‹

››Du tauchst hier ein Jahr nicht auf, niemand weiß etwas von dir, Norman. Und nun soll ich dir helfen? Denkst nicht auch du, dass diese Bitte ein klein wenig vermessen ist? Verdammt, ich schulde dir genau nichts. Hast du das kapiert? Bestell‘ dir, verdammt noch mal, etwas, oder verschwinde aus meiner Bar! Das ist nicht mein Tag, Kumpel.‹‹

Aus der Ferne war wieder das Funkgerät des Streifenwagens zu hören, während Queer nur leicht mit dem Kopf nickte und sich zu seinem Partner umwandte.

››In Ordnung, Mills. Ich lass‘ dich, verflucht noch mal, hochgehen und du weißt genau, dass du keine Chance hast, dann auch nur noch den Wunsch zu äußern, du hättest mir an jenem verfluchten Nachmittag nicht die falschen verdammten Worte ins Gesicht gespuckt. Verlass‘ dich drauf.‹‹

Wieder blickte er sich zu Mills um. Es befand sich kein weiterer Gast in der kleinen Bar.

››Und schalt‘ diesen verfluchten Ventilator aus! Ich weiß, dass du schon wieder so zugekokst bist, dass es dir vorkommt, als wärest du in der heißesten und gnadenlosesten aller erdenklichen Wüsten. Aber merk‘ dir eins, Mills: Diese Undankbarkeit wird dich Kopf und Kragen kosten.‹‹

Dann verschwand Norman, gefolgt von einem verwunderten Blank, aus der verrauchten Bar, ohne zu erkennen, wie sich Douglas Mills hinter der engen und schmalen Theke hervortat und ihnen nachmarschierte.

››Norman, lass mit dir reden, verflucht noch mal.‹‹

Mills wusste sehr wohl, dass Queer ihn tatsächlich ohne große Probleme wegen dessen ständiger Drogengeschäfte dran bekommen konnte. Dennoch vermochte er nicht den Mut aufzubringen, seine Winchester unter dem Ladentisch hervorzuziehen, mitten auf den Rücken von Queer zu zielen und abzudrücken.

››Zur Hölle mit dir, Mills!‹‹ meinte Queer gleichgültig. ››Du hattest deine Chance, Doug. Jetzt ist es zu spät.‹‹

Ängstlich und nachdenklich zugleich blickte Mills seinem alten Freund hinterher.

››Ich weiß, weswegen du mich aufgesucht hast. Ich hab‘ viele Beziehungen, Norman. Aber ich kann dir bei dieser ganzen Scheiße nicht behilflich sein, denn dieses ist ein Werk eines Irren.‹‹

Nun drehte sich Queer nochmals zu Mills um, der im Türrahmen der Bar stand, von wo aus er den Streifenwagen anstarrte, als handle es sich bei diesem um ein UFO.

››Nutz‘ diese letzte Chance, Mills, oder erstick‘ jämmerlich an deinem Stoff. Du weißt, dass ich dich nicht auffliegen lassen werde, weil das viel zu gutmütig wäre. Ich wollte dir nur eine Chance geben, uns bei diesen bescheuerten Ermittlungen zu unterstützen, um zur Abwechslung was Sinnvolles zu machen, um aus dieser Scheiß-Bar rauszukommen. Aber das ist deine Entscheidung. Und diese Hilfsbereitschaft werd‘ ich mir merken, mein Freund.‹‹

Gespannt beobachtete Billy Blank das weitere Geschehen und spürte erneut dieses Gefühl des Hungers.

Mills hatte mit seinen Zweifeln zu kämpfen und es verstrichen weitere drei Minuten, in denen nichts geschah, außer einem Funkspruch der Zentrale, dass Queer und Blank auf schnellstem Wege ihren Arsch zu Mortrian Abuzic bewegen sollten.

Dann jedoch entschied sich Mills für etwas, das Queer nicht für möglich gehalten hatte: Er schloss die Tür seiner Bar ab, warf ihr durch das seitliche, große Glasfenster einen letzten Blick zu, und schlenderte dann dem Streifenwagen entgegen. Den Blick hielt er währenddessen auf Norman Queer gerichtet.

››Ich wusste es‹‹, meinte dieser erfreut und überzeugt klingend, als sich Douglas Mills auf dem hinteren Sitz des Wagens niedergelassen hatte, wobei eine Staubfontäne durch die Luft wirbelte.

››Das ist der Mills, wie ich ihn kenne.‹‹

Wenige Augenblicke später drehte er den Zündschlüssel und setzte den Wagen aus der Einfahrt.
So… Hier endet die Leseprobe zum Psycho-Thriller ››ANGST‹‹ mit Humor & jeder Menge Merkwürdigkeiten von Julius Cyphandrius, wobei dies das Pseudonym vom tatsächlichen Autor Linus Lumpitzsch ist. Wer nun Lust darauf bekommen hat, die Geschichte weiterzulesen, kann das sehr gerne tun. Das würde mich glücklich machen.
Erhältlich ist ››ANGST‹‹ im Kindle Store von Amazon als E-Book.

Hier der Link zur Artikel-Seite bei Amazon: http://www.amazon.de/Angst-Julius-Cyphandrius-ebook/dp/B00J7RL0C4/ref=la_B00J8NB9XM_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1395852574&sr=1-1

Website des E-Book-Psychothrillers ››ANGST‹‹:
http://www.hitchten.de/angst/

››ANGST‹‹ , ein mit viel Humor, seltsamen Typen & Merkwürdigkeiten gewürzter Psycho-Thriller von Julius Cyphandrius = Linus Lumpitzsch

Am 28. März 2014 wurde bei Amazon als E-Book im dortigen Kindle Store der Psycho-Thriller ››ANGST‹‹ von Julius Cyphandrius (Linus Lumpitzsch) veröffentlicht. (Erschien am 7. Juli 2015 in einer letztmalig leicht überarbeiteten Fassung)

Bild

Julius Cyphandrius | Linus Lumpitzsch
››ANGST‹‹
PSYCHO-Thriller

Zur Artikel-Seite bei Amazon

Zur Website rund um das E-Book ››ANGST‹‹
http://www.hitchten.de/angst/

Zum Inhalt von ››ANGST‹‹:

Eine mordende Bestie in Menschengestalt verursacht Angst und Schrecken in Hitchten.

Die Polizisten Billy Blank und Norman Queer – ein wenig planlos, aber humorvoll – versuchen, während sie im Laufe ihrer Ermittlungen einer ganzen Reihe merkwürdiger Menschen begegnen, den Serienmörder zu schnappen, wobei sie aber einerseits vor allem ihren Boss Mortrian Abuzic wütend und immer wütender machen, andererseits dafür sorgen, dass der Mann mit dem kantigen Gesicht Blank & Queer eine kleine Notiz hinterlässt…

››Im Irren eurer Ermittlungen vermögt ihr nicht die Sorgfalt meines Tötens zu erkennen. In euren Versuchen des Beendens dieser wundervollen Taten, welche ich aus Liebe zu Gott vollbringe, erscheint ihr mir als erbärmliche, nicht verstehen wollende Kreaturen der Dummheit. Nehmt den Kampf auf und bereitet mir ein wenig Abwechslung!‹‹

Die Jagd hat begonnen, doch wer ist der Jäger, wer der Gejagte?

››ANGST‹‹ ist ein Ende März 2014 exklusiv als E-Book bei Amazon im Kindle Store erschienener Psycho-Thriller (Buchseite bei Amazon in einem neuen Fenster öffnen) (letztmalig leicht aktualisiert am 7. Juli 2015 neu veröffentlicht), der durch einige Prisen Humor und Merkwürdigkeiten bereichert und voller Leidenschaft und Enthusiasmus geschrieben wurde. Dieser Roman folgt nicht schlicht einer Ebene, spielt sich auch nicht rein irgendwie in einem blutigen Psychopathen-Gemetzel nach dem vorigen ab, sondern enthält wesentlich mehr Schichten.
Julius Cyphandrius war es als Autor ein großes Anliegen, bei diesem Thriller eine ordentliche Menge Humor mit an Bord zu nehmen, und auf die ein oder andere wirklich seltsame Person wird die Leserin oder der Leser auf jedem Fall stoßen und nicht verzichten müssen.
Das Buch entstand voller Hingabe und freut sich (wie auch ich) darauf, sich nun die Geschichte verschlingenden Leserinnen und Lesern zu präsentieren. 😉

››ANGST‹‹ erzählt von einer Bestie in Menschengestalt, die aber auch nicht nur einfach etwas Böses und Dunkles ist. Der Thriller begleitet nicht nur den Mann mit dem kantigen Gesicht bei seinen Taten, sondern auch die Polizisten und Freunde Norman Queer und Billy Blank. Immer wieder mit von der Partie ist auch der sich nahezu immer mitten in einem Wutausbruch befindliche Revierchef Mortrian Abuzic, und dann sind da auch nachdenkliche und vielleicht schöne Momente, viele schräge Typen, und eine Menge Merkwürdigkeiten. 😉

Julius Cyphandrius ist ein Pseudonym von Linus Lumpitzsch. Der Autor wurde am 8.8.1976 geboren und liebt neben dem Erfinden und Schreiben von Geschichten auch das Lesen, die Musik und den Film von ganzem Herzen. Eine Übersicht weiterer Veröffentlichungen ist auf www.hitchten.de sowie www.hitchten.de/8stories/veroeffentlichungenvonlinuslumpitzsch.htm zu finden.
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Viel Freude beim Lesen von ››ANGST‹‹, aber auch beim Lesen von jedem anderen Buch!

Bild ››ANGST‹‹ (E-Book) von Julius Cyphandrius

Hier geht’s zur Artikel-Seite des E-Books ››ANGST‹‹ bei Amazon im dortigen Kindle Store.
http://www.amazon.de/Angst-Julius-Cyphandrius-ebook/dp/B00J7RL0C4/ref=la_B00J8NB9XM_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1395831855&sr=1-1

Zur Website rund um das E-Book ››ANGST‹‹
http://www.hitchten.de/angst/